Robert Enke ist tot!

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Trainer: Kenan Kocak | AWD-Arena
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Griesgram
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12.11.2009 17:23

für den verein und speziell die fans von h96 ein herber verlust - der deutsche fußball verliert einen seiner sympathischsten vertreter.

aber egal wie dreckig es enke gegangen sein muß entschuldigt das m. a. nach nicht, daß er seine frau und seine 8monatige (adoptiv-)tochter allein zurückgelassen hat. desweiteren tut mir die (verzeiht den ausdruck) arme sau leid, die den zug zu dem zeitpunkt gesteuert hat und der jetzt damit klarkommen muß.

nichtsdestotrotz: ruhe in frieden robert enke...
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duesselaner
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12.11.2009 17:37

Als mein Sohn mir sagte das man gerade im Forum Robert Enkes Tod bekanntgab, war ich schon schockiert. Und als ich wenig später dann erfuhr wie er ums Leben kam, da war ich erschüttert. Gerade oder auch weil ich ihn als Kämpfernatur kannte.
Sein Tod zeigt wieder einmal, das man nie einen Menschen richtig kennt.

Robert Enke, Du warst als Sportler ein Vorbild für die Jugend, hast nie mit unfairen Mitteln um einen Stammplatz in der Nationalelf gekämpft. Viele Menschen werden Dich vermissen.

Herr, gib seiner Frau die nötige Kraft um die kommende, schwere Zeit gut zu überstehen.
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Enke Trauerfeier Sonntag 11 Uhr live in der ARD

14.11.2009 08:47

die Trauerfeier aus der AWD-Arena in Hannover live morgen am Sonntag 15.11. um 11 Uhr in der ARD:

http://www.stern.de/sport/fussball/absc ... 21694.html

http://www.clatsch.de/2009/11/14/robert ... annschaft/

http://www.hannover96.de/CDA/fileadmin/trauerfeier.html

Enkes Sarg wird im Mittelkreis aufgebahrt, alle Nationalspieler und viele mehr kommen ...

rund 100.000 Menschen werden erwartet, die größte Trauerfeier seit Adenauers Tod::shock:

http://www.topnews.de/robert-enke-traue ... tet-379375

UND GENAU MORGEN IST LAUT KALENDER AUCH NOCH *VOLKSTRAUERTAG* - passender geht es kaum .... wird ein wirklicher Volkstrauertag ... :cry:
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Enke und Leichenschau "Echte Körper - von Toten lernen&

15.11.2009 01:32

sagt mal, ein bisher fast unbeachteter Punkt, den ich aber ganz interssant finde: Enke hat am Tag vor seinem Selbstmord mit seiner Familie die Leichenschau "Echte Körper - von Toten lernen" (!) besucht --- mehr als morbide ....:shock:
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18.05 Uhr: Enke besucht die Leichenschau „Echte Körper“ auf dem Expo- Gelände bei Hannover. Er bleibt etwa eine Stunde, hat Töchterchen Leila auf dem Arm. Teresa schiebt den Kinderwagen.
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Hat Enke beim Anblick der Leichen vielleicht auch daran gedacht, wie er wohl aussehen könnte, wenn er tot ist, wenn ihn der Zug überrollt hat ?

vielleicht hat ihn diese abartige Ausstellung erst auf den Gedanken dazu gebracht ... von den Toten lernen ... Schmadtke meinte ja auch, dass Enke uns eine Aufgabe mitgeben wollte ... perfide, aber möglich, dass ihn das beeinflußt hat... :shock:
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Ufuk91
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15.11.2009 10:55

Enkes Reflexe

Wer war Robert Enke? Wir veröffentlichen einen preisgekrönten Text aus dem Jahr 2004. Von Ronald Reng

Bild

(seite 1 von 3)
Morgens kauft er sich am Kiosk vor seiner Wohnung zwei Sportzeitungen. Er sieht das Foto gleich, es ist auf der Titelseite der einen Zeitung, rechts im Eck, er fragt sich, warum sie ausgerechnet dieses genommen haben, das Bild ist ein halbes Jahr alt. Er erkennt sich darauf kaum wieder.

Das Foto zeigt ihn im weißen Hemd, zwei Knöpfe offen, es muss ein heißer Tag gewesen sein, natürlich: Istanbul im August. Er ist gerade als Neuzugang beim türkischen Spitzenklub Fenerbahçe Istanbul vorgestellt worden, die eine Hand hat er an der Vereinsfahne, mit der anderen spreizt er den Daumen der Kamera entgegen zum Zeichen, Klasse, dass ich hier bin, stark, dass ich für Fenerbahçe spielen werde. Und sein Gesicht sagt alles andere. Die Wangen rot, der Mund offen, die Augen gehetzt. Wie auf der Flucht. "Schau dir das Bild an", sagt Robert Enke. "Da bin ich doch nicht ich selbst."

Er reißt die Seite heraus, um sie aufzuheben. Das Foto erinnert ihn, wie verloren, fremd und bedrängt er sich in der Türkei vom ersten Moment an fühlte. Wenn er das Bild anschaut, weiß er, dass seine Entscheidung richtig war. Selbst wenn er der Einzige sein sollte, der das glaubt: Robert Enke, 26, einer der besten Torhüter Deutschlands, mit unglaublichen Reflexen. Im August vergangenen Jahres unterschreibt er einen Vertrag bei Fenerbahçe Istanbul, der ihm über eine Million Euro brutto im Jahr garantiert – und kündigt den Kontrakt nach nur einem Meisterschaftsspiel fristlos; wegen eines Gefühls: dass er dort nicht glücklich würde. Sein Agent sagt ihm, er solle bitte nicht überstürzt handeln, Christoph Daum, Fenerbahçes Trainer, sagt, Eingewöhnungsprobleme seien das, nicht mehr, Mensch, in drei, vier Wochen sehe die Welt ganz anders aus. Doch Enke hat seine Entscheidung schon getroffen. Am nächsten Tag verlässt er Istanbul, im vollen Bewusstsein, dass das Geld futsch ist und die Karriere im schlimmsten Fall auch. Er weiß, er wird wegen der Frist für Vereinswechsel mindestens ein halbes Jahr arbeitslos sein und es danach nicht leicht haben, wieder im großen Fußball unterzukommen.

"Viele haben gesagt, der Enke hat sie nicht mehr alle

Robert Enke zu seinem Schritt, die Türkei zu verlassen"

In der Welt des Fußballs ist das eine mutige und eine einsame Entscheidung. Ein Fußballprofi tut so etwas nicht. Das sagt ja wohl schon das Wort: Profi. Professionell sein heißt ja immer auch, Gefühle zu verdrängen, weiterzumachen. Und wenn es auf dem Fußballplatz nicht läuft, sich halt auf die Ersatzbank zu setzen, heimlich zu beginnen, nach einem neuen Verein zu suchen und in der Zwischenzeit still das Gehalt abzukassieren. "Viele haben gesagt, der Enke hat sie nicht mehr alle, und klar, wenn man es nüchtern betrachtet, kann man es so sehen", sagt er. "Aber", er deutet mit einem Kopfnicken auf das Zeitungsfoto, das er auf den Wohnzimmertisch gelegt hat, "ich war dort so unglücklich. Ich hätte in Istanbul nie gut gespielt."

Acht Monate sind seit seiner Flucht vergangen. Jetzt sitzt er in einem Vier-Zimmer-Apartment im Zentrum von Santa Cruz auf Teneriffa, das einiges über den Stand der Dinge im Leben von Robert Enke erzählt: Er hat die Wohnung möbliert gemietet, sie ist komplett eingerichtet und wirkt doch leer. Außer einer unausgepackt auf dem Boden liegenden Satellitenschüssel hat er keine persönlichen Gegenstände mitgebracht, er hat nichts verändert, auch die Gemälde, Stillleben von Orangen und Bananen, an der Wand hängen lassen. Er weiß ja nicht, wie lange er bleiben wird auf Teneriffa, ob es lohnt, sich einzurichten – es ist ein vorläufiges Leben, das er seit Istanbul führt, erst sechs Monate arbeitslos, seit Januar nun als Torwart mit Halbjahresvertrag bei CD Teneriffa. Zweite Liga in Spanien.

Es ist eingetreten, was zu befürchten war. Als in der Winterpause die Wechselphase wieder eröffnet wird, ruft keiner der bekannten Vereine nach ihm. Der Markt für Torhüter ist klein, jede Mannschaft braucht doch nur zwei, und er, als Ersatztorhüter in die deutsche Nationalelf berufen mit 22 beim Konföderationen-Cup 1999, Kapitän schon mit 23 beim portugiesischen Rekordmeister Benfica Lissabon, mit 25 vom legendären FC Barcelona unter Vertrag genommen, gilt plötzlich als Risikofall: Wie kann man noch sicher sein, dass er nervlich stark genug ist, wenn er in Istanbul einfach wegrennt? Ancona, Tabellenletzter in Italien, der FC Kärnten, Tabellenletzter in Österreich, und ADO Den Haag, Vorletzter in Holland, sind die Erstligisten, die ihn wollen. Angesichts dieser Auswahl entscheidet er sich für Teneriffa, zweite Liga, aber Spanien, ein bedeutender Fußballmarkt. Dort hofft er, die richtige Mischung aus Ruhe und Aufmerksamkeit für das Comeback zu finden. Für das Publikum ist klar: Das ist der Tiefpunkt. Für ihn selbst ist es ein Hochgefühl. Sich wieder wie ein Fußballer zu fühlen.

Beim Training an diesem Morgen im Stadion von Teneriffa kommen erst Robert Enkes Schuhe auf den Platz, dann Robert Enkes Handschuhe, schließlich Robert Enke selbst. Ein Paar seiner Schuhe trägt Adolfo Baines, der dritte Torwart, er läuft, als traue er ihnen noch nicht. Der zweite Torhüter, Álvaro Iglesias, hat Handschuhe an, auf deren Klettverschlüssen dick "Robert Enke" steht. Er hat ihnen die Sportsachen geschenkt, er bekommt sie von seinem Sponsor, sie aber, Zweite-Liga-Torhüter ihr Leben lang, mussten sich ihre Ausrüstung bislang kaufen. Baines allerdings trägt weiterhin Handschuhe, die er für acht Euro gekauft hat, die von Enke sind ihm zu heilig, um sie im Training zu verschleißen.
(seite 2 von 3)

Der Trainer ordnet ein kleines Spiel an, Angriff gegen Abwehr, Enke geht breitbeinig in die Knie, hält die Arme durchgestreckt nach unten, alle zehn Finger gespreizt, den Rücken kerzengerade, jeder Torhüter hat seine eigene Art, auf Schüsse zu warten. Er drückt sich vom Boden ab, seine Sprungkraft ist beachtlich, aber großartig ist seine Explosivität, blitzartig schnellt er nach oben. Als er einen Schuss noch erreicht, der schon im Tor schien, klatschen die paar Rentner auf der Tribüne. "Das hat mir am meisten gefehlt", sagt er. "Diese Gefühl: Für irgendjemanden ist es wichtig, was du machst." Er hat noch kein Spiel für Teneriffa absolviert, noch fehlt ihm Fitness, aber vor allem Sicherheit. Er weiß, schon bald wird er wieder spielen, und dann muss er frei sein von den Monaten, die hinter ihm liegen. Die Erinnerung ist der größte Gegner des Torwarts. Jeder Torhüter hat Fehler gemacht, hat schlechte Tage hinter sich, "kein Torwart kann seine schlechten Momente vergessen. Du musst versuchen zu verdrängen".

Lange ist es in seiner Karriere immer nur bergauf gegangen. Abitur in Jena, mit 19 debütiert er bei Borussia Mönchengladbach in der Bundesliga. Gladbach steigt mit 79 Gegentoren ab, ein grausamer Rekord, und er schafft es, dabei gut auszusehen. Er wird Juniorennationaltorhüter, 1860 München lockt ihn, der Mönchengladbacher Jupp Heynckes wird Trainer bei Benfica Lissabon und will Enke unbedingt verpflichten. "Die Leute haben gesagt, der Enke ist geldgierig, weil ich nach Lissabon statt zu 1860 bin, und natürlich hatte der Wechsel viel mit Geld zu tun. Damals habe ich gemacht, was alle im Fußball machen: das beste Angebot genommen."

Er ist niemand, der schon immer gerne im Ausland leben wollte. Er gerät da so rein. Traurig bemerkt er, wie sein Status im Ausland steigt, er über ein Dutzend Angebote von englischen, spanischen und italienischen Klubs bekommt, unter anderem von AS Rom und Manchester United, der deutsche Fußball ihm aber jegliche Anerkennung verweigert. Er schaut noch immer Bundesliga im Satellitenfernsehen, die Heimat jedoch scheint ihn zu vergessen. "Manchmal, bloß manchmal, wünsche ich mir schon, noch einmal in der Bundesliga zu spielen, um den Leuten zu zeigen, dass ich im Süden nicht nur in der Sonne gelegen habe." Einmal, da ist er noch in Lissabon, bekundet der 1. FC Kaiserslautern sein Interesse. Nur um dann doch abzusagen. An dem Tag geht er mit seiner Frau Teresa an den Strand von Estoril, um sich abzulenken. "Und prompt hat es angefangen zu regnen. Da war die Depression komplett." Die Geschichte scheint nicht mehr als eine kuriose Anekdote, als ihn wenig später, im Juni 2002, einer der zehn größten Klubs der Welt anheuert. Er ist, 22 Jahre nach Bernd Schuster, der zweite Deutsche, der für Barcelona spielen darf. Drei Wochen nach seiner Ankunft sitzt er mit Teresa in einem Straßencafé in der Altstadt und spürt: "Ich bin erst kurz hier, aber ich habe schon das Gefühl: Hier möchte ich lange bleiben." Dann kriegt er kurz Panik, weil ein Kampfhund auf seine Frau zukommt. Er fürchtet, sie könnte den Hund mit nach Hause nehmen. Sieben Hunde haben die Enkes zu der Zeit, Teresa hat sie aufgelesen.

Heute Abend spielt Barcelona wieder. Ein Uefa-Cup-Spiel, er wird es sich im Fernsehen anschauen. Das Training ist vorüber, er ist müde, hängt selig auf einem Plastikstuhl in einem Café unten am Hafen von Santa Cruz. Er ist nachmittags oft hier und schaut sich die Menschen an. "Wie gut gelaunt sie sind." Teresa ist in Barcelona wohnen geblieben, wegen der Hunde, sie wollten sie nicht bis nach Teneriffa transportieren, wenn er vielleicht im Juli schon wieder weg ist. Acht sind es mittlerweile. Er wird wach, als er von ihnen erzählt.

Etwas hat sich verändert in den letzten Jahren. Er ist immer noch ruhig, sachlich, höflich: liebenswert. Bloß der engstirnige Ehrgeiz der Jugend ist verschwunden. Dieser Hunger junger Sportler, ihre absolute, euphorische Fokussierung darauf, der Beste zu werden, hat Platz gemacht für eine Gelassenheit. Oft fragt er sich, wie es wäre, wenn er mit Scheuklappen durchs Leben liefe, absolut überzeugt von sich und seiner Arbeit. Manchmal glaubt er, er wäre dann ein besserer Torwart.

"Der Victor kennt keine Selbstzweifel

Enke über Barcelonas Torwart Victor Valdés"

Es ist vermutlich ein Trugschluss. Auch einer, der Zuspruch und Bestätigung braucht, kann ein Klassetorwart sein. Er selbst hat das bewiesen. Aber nun sitzt er in der Bar des Luxushotels Mencey, schaut Barças Uefa-Cup-Spiel und sieht Victor Valdés. Da kommen einem solche Gedanken, ein Torwart müsse skrupellos sein. Valdés ist 22. Er hat sich den Platz geholt, von dem Enke dachte, es würde seiner werden. Valdés, ganz in Schwarz, der Farbe großer Torhüter, lenkt spektakulär einen Schuss über die Latte. "Der Victor kennt keine Selbstzweifel", sagt er. Es klingt bewundernd, es klingt irritiert. Barca führt 2:0, es wird langweilig, er fixiert sich auf den Mann vor ihm, der unaufhörlich in der Nase bohrt. "Ist das ekelhaft, guck doch mal!" Was fühlt er, wenn er Barca nun im Fernsehen sieht? "Gar nichts. Ich hatte doch nie das Gefühl, dazuzugehören."

Er bekommt eine Chance bei Barca. Valdés macht die ersten Partien, aber im Pokalspiel gegen Novelda, einen Drittligisten, darf er ran. Barca verliert 2:3, ein Aufschrei der Empörung geht durch die Stadt, eine Boulevardzeitung schreibt: "Enke schaufelt sich sein eigenes Grab." Das dritte Tor resultiert aus einem Missverständnis zwischen ihm und Verteidiger Frank de Boer, de Boer stellt ihn öffentlich an den Pranger. Es ist September 2002, der zweite Monat seines Drei-Jahres-Vertrages, und er fühlt, "ich bin schon gestorben". Er wird nur noch in zwei bedeutungslosen Spielen aufgestellt. Im folgenden Sommer darf er nicht mehr mit auf die Saisonvorbereitungstournee in die USA. Niemand sagt ihm etwas, er steht einfach nicht mehr auf der Liste. Er ist nicht doof, er weiß, was das bedeutet.

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Fenerbahçe ist ein Ausweg. Er hat sich immer gesagt, in der Türkei spiele er nicht, diese überdrehte Leidenschaft, diese Brutalität gegenüber Verlierern, die Unzuverlässigkeit bei der Bezahlung. Er hat keine Alternativen. In Bitburg trifft er Fenerbahçes Trainer Daum, sie leeren eine Flasche Wein, "ich hab’s mir schöngeredet: deutsches Trainerteam, gutes Geld, probier’s halt mal." Die türkischen Zeitungen schlagen auf ihn ein, ehe er das erste Spiel gemacht hat: Was wolle ein Ersatztorwart bei Fener? Er kann die Zeitungen nicht lesen, aber er weiß von der Antipathie, die sich mit seinem eigenen Widerstreben mischt: Die wollen mich nicht, ich will sie nicht, was mache ich hier?

"Das ist es nicht wert

Enkes Gedanke im ersten Spiel für Fenerbahçe"

Sie spielen zum Test gegen Kocaelispor, 30 Minuten vor Anpfiff wird ein Schaf auf dem Platz geopfert, er denkt, "ein Glück ist Teresa noch nicht da" mit ihrer Tierliebe. Er lacht. Aber der Gedanke kommt immer wieder zurück: Ich will hier nicht sein. Im ersten Saisonspiel geht es gegen einen Aufsteiger, er hält nicht schlecht, aber nervös, irgendwann ein langer Ball, er rennt raus, kommt zu spät, wird überlupft. Am Ende steht es 0:3. Münzen, Feuerzeuge, Flaschen fliegen ihm um die Ohren. Er weiß: Hinter seinem Tor stehen die eigenen Fans. "Eigentlich habe ich die Entscheidung schon während des Spiels getroffen: Das ist es nicht wert."

Gezweifelt hat er danach oft an seiner Entscheidung. Er geht zurück nach Barcelona, er darf nachmittags, wenn die Profis weg sind, mit zwei anderen ausgemusterten Spielern auf der Vereinsanlage trainieren. Er hält es nicht aus. So nah und doch weiter weg denn je von Barca zu sein, vom großen Glück. Sein Agent, der auch ein Freund ist, nimmt ihn in Köln auf. Er steht früh auf, er will sich nicht gehen lassen. "Aber keiner wartet auf dich. Keiner braucht dich." Er rackert im Fitness-Studio und verliert trotzdem Muskelmasse. Er weiß nicht, welche spezifischen Übungen er machen müsste. Außer ihm sind Hausfrauen und ein paar Soap-Stars da. Er hat genug gespart, "aber dieses Gefühl ist beängstigend", er zögert, "man traut es sich ja als Fußballer nicht auszusprechen, weil es andere viel härter trifft, aber das Gefühl, arbeitslos zu sein, ist für einen Profi nicht weniger schlimm als für einen Elektriker. Du fühlst dich wertlos."
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Die Gedanken kehren natürlich zurück: Wärst du damals bloß bei Benfica geblieben, was macht einer wie du in der Zweiten Liga? "Und dann denke ich mir: Es wird schon seinen Sinn haben, dass der Enke mal einen auf den Deckel gekriegt hat." Er hat das Dach seines Cabrios aufgemacht, der Himmel über Teneriffa ist milchig, dunstig, Südwind bringt Sand von Afrika. Er hat den Sinn schon entdeckt: Sein Absturz hat ihm die Freude an den einfachen Dingen des Fußballs zurückgegeben. "Wieder zu einer Mannschaft zu gehören, wieder zu wissen: zehn Uhr Training. Wieder gebraucht zu werden."

Einige Wochen später macht Robert Enke sein erstes Spiel für Teneriffa. Die Erinnerung an Istanbul, Barcelona und die letzten Monate ist noch präsent, er riskiert beim Herauslaufen nicht so viel wie ein Torwart auf der Höhe seines Selbstbewusstseins. Die Reflexe jedoch, die Explosivität, all das ist noch da. Vermutlich wird er nicht mehr Nationaltorwart werden, vielleicht wird er nie mehr bei so einem großem Verein wie Barca spielen. Aber er ist erst 26, noch immer ein außergewöhnlicher Torwart. Wenn er in ein, zwei Jahren wieder irgendwo in einer guten Ersten Liga spielt, wird er zufrieden sein mit seiner Karriere, seinem Weg. Teneriffa gewinnt 2:1, er macht zwei spektakuläre Paraden, spielt sicher. Niemand im Publikum merkt ihm etwas an.

Ein lesenswerter Text ;) :!:

quelle: http://www.zeit.de/2004/23/Sport_2fEnke_23?page=1 und folgende
Auge1
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eine sehr bewegende, ruhige und würdige Trauerfeier

15.11.2009 12:34

eine sehr bewegende, ruhige und würdige Trauerfeier ... so empfand ich es ... hochbewegend das Vereinslied "96, alte Liebe", gesungen von einer 17jährigen, so dass einem wirklich Gänsehaut über den Rücken lief und die Tränen kamen .... sehr bewegend auch alle Reden und die Musik "The Rose" (im Orginal von Bette Midler), als die 96-Spieler Enkes Sarg vom Rasen trugen...
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Ufuk91
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15.11.2009 13:03

Kann ich nur zustimmen :!:
war echt sehr rührend .. besonders zum Schluss - die traurige Musik die ganz tief unter die Haut ging ...

R.I.P.
Auge1
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96, alte Liebe

15.11.2009 13:50

absolute Zustimmung ...

und hier der link zum 96-Vereins-Lied, sehr berührend gesungen von der 17jährigen Alina Schmidt:

http://www.youtube.com/watch?v=qSBNoBfjntI
Zuletzt geändert von Auge1 am 15.11.2009 17:53, insgesamt 2-mal geändert.
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15.11.2009 14:56

R.I.P. ROBERT ENKE!!! :cry:
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miri
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18.11.2009 15:54

So, mit der Zeit hat sich der Schock gelegt und wir gehen wohl alle wieder zum Alltag über. Trotzdem hab ich das vorhin gefunden und ich muss sagen, dass der Brief wirklich alles perfekt beschreibt. Da bleibt nichts ungesagt,...

Abschiedsgruß an Robert Enke: "Du wirst uns fehlen"

Lieber Robert,

es ist nicht leicht, heute Abend die Fußballschuhe anzuziehen, raus zu gehen auf den Rasen, 90 Minuten das zu tun, was Du so sehr geliebt hast. Dein Tod ist für uns immer noch allgegenwärtig. Er hat uns alle sprachlos gemacht, fassungslos, hilflos. Wir waren wie gelähmt, als wir die unerträgliche Nachricht bekommen haben. Wir waren nicht in der Lage, unsere Trauer in Worte zu fassen. Wir waren nicht in der Lage, ein paar Tage später Fußball zu spielen. Wir konnten nicht einfach so zur Tagesordnung übergehen. Wir alle brauchten diesen Moment der Ruhe, um zu realisieren, was passiert ist. Richtig verstehen werden wir es vielleicht nie.

Wir haben lange zusammengesessen und an Dich gedacht. Wir haben zusammen geschwiegen, zusammen geweint und zusammen nach Antworten gesucht, aber eigentlich immer nur neue Fragen gefunden. Quälende Fragen nach dem Warum. Warum konnten wir Dir nicht helfen? Warum konntest und wolltest Du uns nicht von Deinen Problemen erzählen? Warum ist es in unserem Leistungssport, in unserer Leistungsgesellschaft nicht möglich, Angst und Krankheit auszusprechen?

Es ist für uns alle ein schmerzhafter Gedanke, dass Du Dich einsam und allein gefühlt haben musst, auch wenn Du mit uns zusammen warst. Dass Du so oft das Gefühl gehabt haben musst, viel mehr verlieren zu können als nur ein Fußballspiel. Dass für Dich so viel mehr auf dem Spiel stand als für jeden anderen von uns. Dein Tod ist so trostlos. Aber wir werden alles dafür tun, in Deinem Sinn weiterzumachen, guten Fußball zu spielen, erfolgreich zu sein. Und uns dafür einzusetzen, dass Vorurteile und Stigmatisierungen im Fußball keinen Platz haben.

Du wirst uns fehlen. Auf dem Weg ins Stadion, in der Kabine, im Strafraum. Du wirst uns fehlen, weil Du ein außergewöhnlicher Torhüter warst. Aber noch vielmehr, weil Du ein bemerkenswerter Mensch warst. Wir spielen heute für Deutschland, wir spielen für die Fans. Aber wir spielen vor allem für Dich. Für einen guten Freund, durch dessen Tod wir alle noch ein Stückchen näher zusammengerückt sind.

Wir sind ein Team. Und Du wirst immer ein Teil dieses Teams bleiben.

Deine Nationalmannschaft



Quelle: dfb.de

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