Ich tue es ungern. Aber in diesem 1 Punkt sollten wir uns in Deutschland tatsächlich nach einem englischen Begriff orientieren: Er lautet „World Cup“, zu deutsch Welt-Pokal ! So bezeichnet man in England das, was wir hierzulande Fußball-Weltmeisterschaft nennen.
Platini hatte 2002 recht, als er sagte, dass im Finale für die DFB-Elf der erste schwere Gegner warte.
Jeder, der auch nur ein Minimum von Fußball versteht, weiß, dass bei der letzten „WM“ die deutsche Mannschaft nicht den zweitbesten Fußball der Welt spielte. 2002 hatte Deutschland eine extrem glückliche, fast schon wettbewerbsverzerrende Auslosung erwischt und sich in 6 Spielen gegen keine einzige Spitzenmannschaft behaupten müssen. Abgesehen vom Sieg gegen die saudischen Landesligisten konnte man nur in 1 einzigen Spiel überzeugen: gegen Südkorea. 3 Minimalsiege ab dem Achtelfinale haben 2002 für das Finale gereicht.
Deswegen, Sportsfreunde, lasst euch das naive, kurzsichtige Reporter-Gequatsche nicht mehr länger gefallen, dass im Viertelfinale „die besten 8 Mannschaften der Welt“ stünden. So denkt Lieschen Müller, wenn sie mit Oma Käthe am Arm im Tante-Emma-Laden Milch einkauft !
Hat etwa 2006 der Viertelfinalist Ukraine oder der Viertelfinalist England besseren Fußball als die Elfenbeinküste gespielt ?? Ist ein Team wie Italien, das seinen Viertelfinal-Einzug einem Elfmeter-Geschenk (powered by Mama Fia?) verdankt, mit diesem Spielstil eine der besten 8 Fußball-Mannschaften der Welt ?? Oder gehört Frankreich zur Elite, wenn es eine Nationalelf nicht schlagen kann, die unfähig ist, 1 von 3 Elfmetern zu verwandeln ?? O nein, Ihr Beckmanns und Ihr Rethys, so große Tomaten könnt Ihr einfach nicht auf den Augen haben. Im Viertelfinale stehen nicht die 8 besten, sondern die 8 LETZTEN Mannschaften ! Und dies oft nur dank einer Laune des Fußball-Olymps oder dank der Blindheit und der Willkür eines „geblatterten“ Schiris.
Fast ein Wunder, dass bislang noch nie ein sog. „Fußball-Zwerg“ wie 2002 Südkorea das Finale erreichte. Denn bei dem geltenden K.O.-System ist das gut möglich, wenn starke Mannschaften im Achtel- und Viertelfinale gegeneinander gelost werden, so dass zwangsläufig von schwächeren Teams immer mindestens eines weiter kommt. Man kennt das aus dem DFB-Pokal, bei dem Zweitligisten schon im Endspiel standen. Deshalb findet in nationalen Konkurrenzen das K.O.-System ja auch nur in Pokalwettbewerben und nicht bei den Titelmeisterschaften Anwendung. Es ist absurd zu glauben, die beste Fußball-Nationalelf der Welt – zudem für 4 Jahre – per K.O.-System ermitteln zu können. Fußball-Weltmeisterschaften sind im Grunde ein riesiger Etikettenschwindel. Denn die einzige Methode, im Sport gleich in welcher Diziplin einen Meister zu ermitteln, ist das komplette Rundensystem, bei dem jeder gegen jeden antritt, so wie es traditionell von der Kreisklasse bis zur Bundesliga gehandhabt wird.
Wenn die FIFA die vom K.O.-System ausgehende Spannung schon für wichtiger hält als die Ermittlung des wahren Weltmeisters, sollte zumindest – die etwas Älteren erinnern sich noch gut an die letzte Fußball-„WM“ auf deutschem Rasen, bei der es eine Zwischenrunde gab – auf das Achtelfinale verzichtet werden .
Das bessere System ist deshalb das folgende:
1. Die Vorrunde besteht aus 5 Gruppen mit jeweils 5 Mannschaften, d.h. insgesamt 25 Nationalelfs nehmen an der WM teil. Durch ein Rundensystem qualifizieren sich die beiden Ersten jeder Gruppe und die 2 besten Dritten für die Zwischenrunde (12 von 25 = 48 % ; 16 von 32 = 50 %). Jede Mannschaft muss bzw. darf 1 Mal aussetzen.
2. In der Zwischenrunde werden die 12 Qualifikanten auf 3 Gruppen zu jeweils 4 Mannschaften verteilt. Erneut durch ein komplettes Rundensystem erreichen wieder die beiden Ersten jeder Gruppe und die 2 besten Dritten das Viertelfinale (8 von 12 = 66,7 %).
3. Wie bisher werden Viertel- und Halbfinale im K.O.-System gespielt.
Fazit : 1.) In der Vorrunde spielt jede Mannschaft 4 statt bisher 3 Spiele, so dass infolge der Aussetzrunde im Normalfall frühestens nach dem 4.Gruppenspieltag feststeht, wer die Koffer packen muss.
2.) Obwohl nach der Vorrunde „nur“ 48 % der Mannschaften statt zur Zeit 50 % weiterkommen, qualifizieren sich in 2 der 5 Gruppen mehr als die Hälfte, so dass eine zusätzliche Spannung entsteht. (Natürlich finden die beiden letzten Gruppenspiele wie gewohnt parallel statt)
3.) Weltmeister wird, wer sich in 7 Runden- und in 3 K.O.-Spielen durchgesetzt und sich somit in beiden Systemen als der Ausdauerndste und Cleverste erwiesen hat.
4.) 50 Vorrunden-, 18 Zwischenrunden- und 8 Finalspiele, also insgesamt 76 Spiele, bedeuten für die Zuschauer 12 Spiele mehr als bisher.
5.) Zugleich bedeutet die Teilnehmer-Reduzierung um 7 auf 25 Mannschaften nicht nur eine Verringerung der Organisationskosten, sondern v.a., dass peinliche Auftritte zweit- oder gar drittklassiger Elfs bei einer Weltmeisterschaft wie diesmal z.B. Saudi-Arabiens und Tunesiens unwahrscheinlicher werden.
Ein Trost bleibt der deutschen Elf: Sollte sie nach dem frevelhaften Abschuss von Bruno, dem Maskottchen, gegen Argentinien verlieren, ist nicht die Weltmeisteschaft verloren. Denn der Sieger des Endspiels am 9.Juli wird nur Welt-Pokalsieger …
„Weltmeister“ per K.O.-System ab Achtelfinale ?
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