Thomas von Heesen beerbt Meyer
Beim abstiegsbedrohten Pokalsieger 1. FC Nürnberg überschlagen sich die Ereignisse: Hans Meyer ist nicht mehr Trainer des 1. FC Nürnberg. Sein Nachfolger heißt Thomas von Heesen. Der 46-Jährige wird am Dienstag in der Frankenmetropole vorgestellt. Der frühere Bielefelder Trainer unterschreibt beim Club einen Kontrakt, der bis 2009 gilt und auch für die Zweite Liga abgeschlossen wurde. "Er hat Erfahrung im Abstiegskampf", sagte Club-Präsident Michael A. Roth am Montagabend.
"Es gibt für solche Entscheidungen keinen richtigen Zeitpunkt", sagte Nürnbergs Manager Martin Bader am Montagabend gegenüber kicker online. "Es sei denn, wir hätten gegen Cottbus 3:0 verloren."
Doch so weit wollten es die Verantwortlichen des amtierenden Pokalsiegers nicht kommen lassen. "Es ist eine beschissene Sache", sagte Bader, "aber wir wollten noch so viele Spiele wie möglich haben, um mit dem neuen Trainer die Wende herbeizuführen."
Die haben sie dem Erfolgstrainer der vergangenen Jahre nicht mehr zugetraut. Den anwesenden Journalisten hatte sich Meyer beim mittäglichen Pressegespräch noch kämpferisch gezeigt, von seinen Enkelkindern erzählt, die schon gefragt hatten, ob er denn schon bald mehr Zeit habe. "Nein", hatte er geantwortet, er gehe von einer Vertragserfüllung bis 2009 aus.
"Wenn ich selbst so empfinde und spüre, dass die Entscheidungsträger im Verein zu mir kein Vertrauen haben, dann werden wir die Reißleine ziehen. Momentan sehe ich diese Situation aber nicht gegeben", hatte Meyer bekräftigt.
Doch da scheint er seine Vereinsverantwortlichen falsch eingeschätzt zu haben: Auf einer Präsidiumssitzung am Sonntagabend wurde die Entlassung bereits beschlossen. Es war ein offenes Geheimnis, dass sich Meyer mit einigen Mitgliedern des Präsidiums und des Aufsichtsrates nicht gerade blendend verstand. Dem 65-Jährigen wurde mehr als nur einmal vorgeworfen, beratungsresistent zu sein. Auch die Kaderzusammenstellung geriet zuletzt immer stärker unter Beschuss. Besonders angesichts der löchrigen Defensive wollte der Coach keine personalle Maßnahmen ergreifen.
Am Montagabend wurde Meyer über die Entscheidung informiert. Auch Meyers Assistent Jürgen Raab muss den Tabellen-16. verlassen. Meyers Nachfolger heißt Thomas von Heesen. Der einstige Bielefelder Trainer unterschreibt am Dienstag einen Vertrag über eineinhalb Jahre, der auch für die Zweite Liga gilt. "Er hat Erfahrung im Abstiegskampf", sagte Club-Präsident Michael A. Roth am Montagabend dem DSF.
Die Gerüchte um eine vorzeitige Demission Meyers hatte der Trainer zuletzt selbst genährt. Vor dem Abstiegsduell gegen Hansa Rostock (1:1) hatte er gesagt, man werde Ende Februar eine Bilanz ziehen müssen, "vielleicht nicht mehr mit mir".
Dass der 1. FC Nürnberg, der sich in der Winterpause u.a. mit dem tschechischen Nationalspieler Jan Koller noch einmal verstärkt hatte, auch ohne einen Trainer Meyer gut gerüstet im Abstiegskampf ist, diese Meinung hatte der Coach noch zuletzt geäußert: "Diese Mannschaft hat auch nach mir eine gute Chance, die Klasse zu halten", sagte er. Dass die Trennung von seinem Verein so schnell gehen würde, hat er jedoch wohl selber nicht erwartet.
Die Trennung von Meyer ist die dritte Entlassung in der laufenden Saison. Zuvor hatte sich Energie Cottbus von Petrik Sander getrennt und Bojan Prasnikar geholt, Arminia Bielefeld ersetzte Ernst Middendorp durch Michael Frontzeck.
Beim 1:1 der Nürnberger gegen Hansa Rostock am Samstag saß Meyer zum 75. Mal in einem Liga-Spiel beim FCN auf der Bank.
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