"Realität wird einige schnell wieder einholen"
München/Köln - " Freud oder Leid, Zokunf un Verjangenheit, E Jeföhl dat verbingk - FC Kölle…"
Aus 50.000 Kehlen hallte diese Zeile der Vereinshymne durchs Stadion, nachdem der 1. FC Köln mit einem 2:0-Erfolg gegen den FSV Mainz 05 die Rückkehr in die Bundesliga perfekt gemacht hatte.
Sie beschreibt ebenso treffend den holprigen Saisonverlauf wie die Stimmung nach dem geglückten Aufstieg. Einzig ein Bekenntnis des Trainers fehlte.
Nach dem Schlusspfiff stürmten die Massen auf den Rasen. Ganz Köln feiert eine rot-weiße Party, die Fans bejubeln ihre Aufstiegshelden und die Spieler loben ihre Anhänger.
"Aufstieg für die ganze Stadt"
"Ich bin stolz auf diese Stadt und diese Region, wie sie hinter ihrer Mannschaft standen und diese Spieler geliebt haben", meinte ein frisch umgezogener Trainer Christoph Daum glücklich: "Ich bin stolz auf alle Beteiligten, denn so ein Erfolg ist immer eine Teamleistung."
Spieler und Fans hatten ihn bei den ersten Feierlichkeiten mit diversen Kölschduschen bedacht.
Auch FC-Urgestein Matthias Scherz, der schon seinen vierten Aufstieg mit Köln in die Erstklassigkeit erlebte, wusste um die Wichtigkeit der Aufgabe:
"Es herrschte eine sensationelle Stimmung von der ersten Minute an. Wir haben es sogar schon auf dem Weg zum Stadion genossen. Es ist ein Aufstieg für die ganze Stadt."
"Eine absolute Knochenmühle"
Daum war nach dem positiven Ausgang besonders erleichtert: "Auch wenn es mir keiner abnehmen wird: Ich ordne diesen Erfolg mit dieser Mannschaft ganz oben ein. Denn diese Zweite Liga und der Aufstieg waren eine absolute Knochenmühle."
"Das war auch ein ganz besonderer Druck, der Aufstieg war fast schwieriger als so manchen Pokalsieg zu holen oder manche Meisterschaft", so der Erfolgstrainer, der schon mit dem VfB Stuttgart Deutscher Meister wurde und in der Türkei zahlreiche Titel feierte.
"Es ist für mich eine persönliche Genugtuung, die hohen Erwartungen, die man in mich gesetzt hat, hier erfüllt zu haben."
Daums Zukunft offen
Über seine Zukunft beim FC hielt sich der 54-Jährige allerdings auch in der Stunde des Triumphes zurück. Daum hat noch Vertrag bis 2010, allerdings mit einer Ausstiegsklausel.
"Ob ich bleibe, ist jetzt nicht das Thema. Ich setze mich zeitnah mit dem Vorstand zusammen", sagte der 54-Jährige: "Dann werden wir eine gemeinsame Entscheidung treffen."
Overath will schnell Klarheit
Dennoch scheint sein Abschied trotz des Aufstiegs durchaus möglich.
"Meine Mission war es, diesen Klub wieder in die Erste Liga zu bringen. Dieses Versprechen habe ich eingelöst", erklärte Daum im "Express".
Der Verein will aber um seinen Erfolgstrainer kämpfen. "Wir können das nicht mehr unter dem Deckel halten. Wir werden die Entscheidung vorziehen", kündigte Präsident Wolfgang Overath ein Handeln noch vor dem letzten Saisonspiel in Kaiserslautern an. "Aber wir werden jetzt erst einmal feiern."
Daum warnt vor Realität
Doch schont mahnt Daum: "Eine Mannschaft ist ein fortwährender Prozess. Die Realität wird einige schnell wieder einholen, sowohl Spieler als auch Verantwortliche."
Der dreimalige deutsche Meister muss in fast allen Mannschaftsteilen investieren, so Daum, um das Image einer Fahrstuhlmannschaft abzulegen.
Schließlich war es der vierte Aufstieg seit 2000, 2003 und 2005.
Antar erledigt die Pflicht
Nachdem die Profis die sportliche Pflicht mit dem ungefährdeten Sieg durch zwei Tore von Rada Antar (22., 66.) souverän erfüllt hatten, wollten die treuen Fans ihnen in nichts nachstehen und verwandelten nicht nur das RheinEnergieStadion in einen Hexenkessel.
"Ich bin schon in der Schweiz Meister geworden, aber was hier abgeht ist unbeschreiblich. Das bleibt ewig in Erinnerung", war Verteidiger Alexander Mitreski beeindruckt.
So ging es auch Kollege Marvin Matip: "So eine Unterstützung habe ich in meinen drei Jahren hier in Köln noch nicht erlebt. Ich könnte heulen, es ist ein Traum. Jetzt feiern wir richtig mit den Fans und der ganzen Stadt."
Gefährlichstes Sturmduo
Sichtlich zufrieden war auch Patrick Helmes, der allein elf seiner siebzehn Liga-Treffer in der Rückrunde erzielte und damit die Kölner auf Aufstiegskurs hielt.
"Wir sind riesig erleichtert, dass wir es geschafft haben und der FC wieder da steht, wo er hingehört", sagte der Angreifer.
Zuammen mit Partner Milivoje Novakovic (20 Tore) bildete der 24 Jahre alte Nationalstürmer, der noch auf eine EM-Teilnahme hoffen darf, das gefährlichste Sturmduo der Zweiten Liga.
"Ich liebe den Verein über alles"
Das Spiel gegen Mainz war Helmes' letztes Heimspiel in Köln, nach der Saison wechselt er zur rechtsrheinischen Konkurrenz nach Leverkusen.
Mit seinen Toren spielte er sich trotzdem in die Herzen der Zuschauer und wurde gefeiert.
"Ich liebe den Verein über alles und deshalb bin ich froh, dass ich meinen Teil dazu beitragen konnte, dass er endlich wieder in Liga eins spielt", sagte Helmes.
Die Vision des Präsidenten
Mit diesem traumhaften Ende war in Köln nicht über die gesamte Saison zu rechnen.
"Wir haben keine überragende Saison gespielt, es ging ständig auf und ab", gab Overath zu und dachte trotz inzwischen nun jeweils vier Ab- und Aufstiege zwischen den höchsten deutschen Spielklassen schon an eine neue Ära:
"Der FC hat die Aufgabe, in der Ersten Liga zu Spielen. Wir gehören zu den großen Klubs in Deutschland."
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