Faryd Mondragon
Als Gemeinschaft den Aufstieg schaffen
Bevor Faryd Mondragon seinen Vertrag beim 1. FC Köln unterzeichnete, verschaffte er sich erste Eindrücke vom Geißbockheim, dem RheinEnergieSportpark und dem RheinEnergieStadion. Im Fanshop am Stadion nutze er die Gelegenheit zudem für einen Einkaufsbummel der besonderen Art. Rund 80 FC-Trikots, Dutzende Hosen, unzählige Stutzen sowie Polohemden, Shirts, Taschen und FC-Badelatschen kaufte der neue Torwart des 1. FC Köln ein. Über seine Eindrücke, seine Ziele und den Großeinkauf sprach fc-koeln.de mit Faryd Mondragon.
fc-koeln.de: Faryd, Du hast das Geißbockheim und das RheinEnergieStadion kennengelernt. Wie sind Deine ersten Eindrücke?
Mondragon: „Fantastisch. Ich bin sehr beeindruckt und sehr froh, in eine so schöne Stadt zu kommen. Köln hat eine große Geschichte und Kultur. Und auch der 1. FC Köln ist einer der Vereine mit der beeindruckendsten Geschichte im deutschen Fußball. Für mich ist es eine große Ehre, zu so einem fantastischen Verein zu wechseln.“
Du hast im Fanshop sehr viele Fanartikel gekauft. Warum?
„Ich habe sehr viele Freunde in Kolumbien, die Fußball lieben. Immer, wenn ich zu einem neuen Verein wechsele, kaufe ich dort Fanartikel, um sie nach Kolumbien zu schicken. Außerdem habe ich eine Fußballschule für Kinder in Kolumbien, für die ich einen Trikotsatz gekauft habe. In der Schule können sie kostenlos trainieren, um eventuell selbst Fußballer zu werden, aber auch um sich menschlich zu entwickeln. Wir versuchen, den Kindern Disziplin auf dem Platz, aber auch abseits des Fußballs, mitzugeben.“
Wie kam der Kontakt nach Köln zustande?
„Ich hatte natürlich schon vorher von Köln gehört, schließlich ist der 1. FC Köln ein großer Club. Ein entscheidender Fakt war dann sicherlich, dass Christoph Daum hier Trainer ist. Er kennt mich sehr gut aus seiner Zeit in der Türkei, in der er unsere Rivalen trainiert hat. Christoph Daum ist ein großer Trainer mit einer fantastischen Karriere. Auch mit Wolfgang Overath habe ich sehr vertrauensvolle Gespräche geführt. Dass mir der Präsident, der ein großer Fußballer war und eine bedeutende Persönlichkeit ist, persönlich die Ziele des 1. FC Köln erklärt hat, war ein wichtiger Punkt für meine Entscheidung. Michael Meier hat mir ebenfalls ohne jeden Zweifel zu verstehen gegeben, dass man hier auf mich baut. Für einen Spieler ist es wichtig, bei einem so großartigen Club zu spielen, bei dem auch ich noch viel von diesen erfahrenen Personen lernen kann. Die Entscheidung für meinen Wechsel ist deshalb sehr wichtig für mich.“
Hast Du Deinen Vertrag mit der klaren Zielsetzung unterschrieben, die Nummer eins im Tor des FC zu werden?
„Ich glaube, jeder Spieler kommt hier hin, um seinen Platz in der Mannschaft zu gewinnen. Dabei ist das Wichtigste, dass jeder Einzelne sein Bestes gibt, nicht nur auf dem Platz, sondern auch als Mensch, um sich positiv für die Gruppe einzusetzen. Das klare Ziel muss sein, in der kommenden Saison den Aufstieg in die 1. Bundesliga zu schaffen. Das ist vielleicht eine der aufregendsten Entscheidungen meiner Karriere. Auch wenn ich schon viele internationale Spiele absolviert habe, Titel gewonnen habe und große Erfahrung gesammelt habe, ist der Aufstieg für mich vielleicht die wichtigste Aufgabe. So müssen alle Spieler denken, damit wir das Ziel erreichen können.“
Wie sehen Deine Ziele aus und wie kannst Du Dich persönlich dafür einbringen?
„Für mich wird es wichtig sein, die Erfahrung, die ich in meiner Karriere gesammelt habe, an meine Mitspieler weiterzugeben, nicht nur sportlich, sondern auch im menschlichen Umgang untereinander. Wir müssen eine echte Gemeinschaft sein, uns aufopfern und im Training alles geben. Der 1. FC Köln gehört in die 1. Bundesliga. Die Fans gehören in die 1. Bundesliga. Es ist herausragend, wie sie den Verein unterstützen und in großer Anzahl ins Stadion kommen. Das Stadion ist wunderschön und bietet beste Vorraussetzungen für qualitativen Fußball. Außerdem arbeiten der Vorstand, die Geschäftsführer und die Mitarbeiter der Verwaltung auf einer gemeinsamen Linie. Was wir als Spieler nun umsetzen müssen, ist eine Form von Freundschaft, auf und neben dem Platz, um den Aufstieg zu schaffen.“
Du kommst in ein Team, in dem Spieler verschiedenster Nationen spielen. Du sprichst selber fünf Sprachen. Kannst Du als „Kommunikator“ eine integrative Funktion einnehmen?
„Zuerst einmal wird es im Urlaub meine erste Aufgabe sein, die deutsche Sprache oder zumindest erst einmal die Basisbegriffe zu lernen, damit ich mit meinen Teamkollegen sprechen kann. Für mich ist das auch eine Art, Respekt zu zeigen, gegenüber dem Verein und meinen Mitspielern. Denn ich bin sehr dankbar, dass mir der Verein die Möglichkeit gibt, als erster südamerikanischer Torwart in der Bundesliga zu spielen.“
Du stehst in einem Konkurrenzkampf mit der bisherigen Nummer eins, Stefan Wessels. Wie siehst Du diese Situation?
„Ich respektiere jeden im Verein sehr. Das Wichtigste ist nicht ein einzelner Spieler, sondern dass wir als Team arbeiten. Torhüter haben da ohnehin eine spezielle Rolle, weil wir anders trainieren und anders denken. In meiner bisherigen Karriere hatte ich immer eine gute Beziehung zu meinen Torwart-Kollegen. Dafür ist es wichtig, den anderen zu respektieren. Letztlich wird Christoph Daum entscheiden, wer der Beste ist, und ihn aufstellen. Der Einzelne ist nicht wichtig. Wichtig ist nur der Aufstieg in die 1. Bundesliga.“
In Deutschland heißt es, Linksverteidiger und Torhüter seien ein bisschen verrückt. Kannst Du das bestätigen?
„Torhüter sind anders, was sich schon darin äußert, dass wir den Ball mit der Hand spielen und ein anderes Trikot tragen. Aus meiner Sicht ist diese Position eine, die man sehr emotional spielen muss. Wenn Du im Tor stehst, hast Du hinter Dir nur das Netz und die Fotografen. In 95 Prozent der Fälle, in denen Du einen Fehler machst, kann Dich niemand mehr retten. Insofern hat man schon eine andere Rolle, aber dennoch bin ich Teil des Teams und gehöre zur Gemeinschaft, in der jeder an sich arbeiten muss, um erfolgreich zu sein – für den 1. FC Köln.“
Hast Du zu Deinem Wechsel schon Reaktionen aus Kolumbien bekommen?
„Ja, und zwar durchweg positive Reaktionen. In meiner Heimat haben viele Menschen die Spekulationen und die Nachricht zu meinem Wechsel verfolgt. Dort sind alle sehr froh, dass ein Kolumbianer als erster südamerikanischer Torwart nach Deutschland wechselt. Auch dort kennt man den 1. FC Köln und ist sich der großen Bedeutung des Aufstiegs für den Verein bewusst.“
Faryd, vielen Dank für das Gespräch. Wir wünschen Dir viel Erfolg und eine schöne Zeit hier in Köln.
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