Infantino-Affäre brodelt weiter – Norwegen reicht Beschwerde ein, DFB schweigt

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Infantino-Affäre brodelt weiter – Norwegen reicht Beschwerde ein, DFB schweigt

30.05.2026 11:36

Während der DFB in Herzogenaurach die WM-Vorbereitung steuert, brodelt im Hintergrund eine politische Debatte weiter, die so kurz vor dem Turnier eigentlich niemand gebraucht hätte: Die Affäre rund um den FIFA-"Friedenspreis" für Donald Trump und die Frage, ob FIFA-Präsident Gianni Infantino damit gegen die eigenen Regeln zur politischen Neutralität verstoßen hat.

Ende April hatte der norwegische Fußballverband unter Präsidentin Lise Klaveness öffentlich erklärt, eine Beschwerde der Menschenrechtsorganisation FairSquare bei der FIFA-Ethikkommission aktiv unterstützen zu wollen. Die Beschwerde dreht sich darum, dass Infantino bei der WM-Auslosung im Dezember 2025 im Kennedy Center in Washington einen neu erfundenen "FIFA-Friedenspreis" an Trump verlieh – ein Vorgang, der nach Einschätzung von FairSquare klar gegen die FIFA-Statuten zur politischen Neutralität verstößt. Klaveness sagte damals: "Wir haben das in der Vorstandssitzung behandelt. Wir sind der Ansicht, dass wir dies unterstützen werden, und wir werden ein Schreiben an die FIFA senden."

Seitdem ist innerhalb des organisierten Fußballs wenig passiert – aber außerhalb umso mehr. Human Rights Watch veröffentlichte Ende April einen 79-seitigen Leitfaden für Journalisten, die über die WM 2026 berichten werden. Darin wird die FIFA scharf dafür kritisiert, keine nennenswerten Schritte unternommen zu haben, um die Trump-Regierung zur Einhaltung von Menschenrechtsstandards zu bewegen. Stattdessen – so die Kritik – habe Infantino Trump mit dem Friedenspreis hofiert und damit das Gegenteil von Unabhängigkeit demonstriert. Amnesty International warnte zeitgleich Fans aus Dutzenden Ländern vor der aggressiven US-Einwanderungspolitik: Mobiltelefone könnten bei der Einreise durchsucht werden, Visa auch kurzfristig verweigert. Von Trumps Einreiseverbot für Bürger aus 19 Ländern sind auch einige WM-Teilnehmer betroffen – darunter Fans aus dem Iran und aus arabischen Ländern.

Der DFB hat sich bislang nicht öffentlich zur Infantino-Beschwerde geäußert. Das ist keine Überraschung – der Weltverband hat erheblichen Einfluss auf die Mitglieder, und kurz vor der WM will niemand diplomatische Scherereien. Aber die Frage, ob die politische Nähe zwischen Infantino und Trump das Turnier strukturell beschädigt hat, wird die WM 2026 begleiten – egal ob man das möchte oder nicht. Norwegen hat bisher als einziger Nationalverband klar Stellung bezogen. Ob andere folgen werden, bleibt offen.
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