eurosport.de schreibt:
Die Manipulationsaffäre um Juventus Turin weitet sich zu einem der größten Skandale in der Geschichte des italienischen Fußballs aus. 29 von 38 Spielen soll Juve-Manager Luciano Moggi 04/05 manipuliert haben und auch Star-Keeper Gianluigi Buffon soll ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten sein.
Mit Hilfe von korrupten Schiedsrichtern, Spielern und Funktionären in der vergangenen Saison zu Gunsten des Meisters manipuliert haben. Nach WM-Schiedsrichter Massimo De Santis wird jetzt auch Italiens WM-Nationaltorhüter Gianluigi Buffon in den Skandal hineingezogen. Staatsanwälte in Parma und Turin sollen gegen den Juve-Keeper wegen Wettbetrugs ermitteln, berichtete die "La Gazzetta dello Sport".
Auch Nationaltrainer Marcello Lippi sei in den Strudel der Verdächtigungen geraten. Der Coach soll Berichten italienischer Medien zufolge auf Druck des im Fadenkreuz stehenden "Juve"-Sportdirektors Luciano Moggi Spieler aus der Agentur von Moggi-Sohn Alessandro in die "Squadra Azzurra" berufen haben, um den Wert der Profis zu steigern.
Lippi wies den Verdacht der Absprachen mit Moggi, dem Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge vom deutschen Meister Bayern München vor Monaten schon wegen diverser Abwerbeversuche von Profis "Mafia-Methoden" vorgeworfen hatte, scharf zurück. "Ich habe immer korrekt gehandelt. Jeder weiß, dass ich nach Leistungskriterien die Spieler für die Nazionale nominiert habe", erklärte der frühere "Juve"-Coach.
Neun Profi-Klubs im Visier
Fünf Staatsanwaltschaften kämpfen sich mittlerweile durch den Sumpf des offenbar von Korruption und mafiaähnlichen Strukturen durchsetzten Fußballsystems. Neun Erst- und Zweitligisten sind im Visier. Die federführende Staatsanwaltschaft in Neapel ermittelt gegen 41 Personen wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung und Sportbetrugs.
Am Freitag ließ sie die Büros des italienischen Fußballverbands und der Schiedsrichtervereinigung in Rom durchsuchen. 2400 Seiten hat Neapels Staatsanwalt Giorandomenico Lepore mit Beweismaterial gegen das "System Moggi" gefüllt. Allein die Protokolle der 2004 abgehörten Telefongespräche füllen 10 000 Seiten. Auch Videoüberwachungen fertigen die Fahnder an.
Elf Schiris unter Verdacht
Neben WM-Schiedsrichter De Santis stehen vier weitere Serie A- Schiedsrichter und sechs Linienrichter auf der offiziellen Liste der Verdächtigen. "Ich fahre zur WM. Ich habe nichts getan", sagte De Santis. Geständnisse gibt es keine. Die teilweise panische Reaktion der Beteiligten aber gibt Anlass für Spekulationen: Mit Präsident Franco Carraro und Vize Innocenzo Mazzini nahm fast die gesamte Führung des FIGC in dieser Woche ihren Hut.
Am Donnerstagabend trat der gesamte Juve-Vorstand zurück. Anders wären Moggi und der in Turin unter Bilanzfälschungsverdacht stehende Geschäftsführer Antonio Giraudo nicht aus dem Amt zu drängen gewesen. Beide hätten den Rücktritt verweigert, hieß es aus dem Umfeld der Juve-Besitzerfamilie der Agnellis.
Juventus Turin droht der Super-GAU
Der einst strahlende Rekordmeister gibt nach täglich neuen Enthüllungen ein Bild des Elends ab: Kurz vor dem möglichen Gewinn seines 29. Meistertitels am kommenden Sonntag droht Juve möglicherweise die Aberkennung des letzten Titels und der Zwangsabstieg, Torwart Buffon im Falle eines nachweislichen Wettbetrugs eine Sperre von mindestens drei Jahren.
Buffon und die drei weitere ehemalige Juve-Spieler Mark Kuliano, Enzo Maresca und Anonio Chimenti haben angeblich in der vergangenen Saison trotz eines Wettverbots über Strohmänner hohe Summen auf Serie-A-Spiele gesetzt, einer der Juve-Spieler sogar für 1,6 Millionen Euro im Jahr.
Medien schimpfen über "Fußball-Mafia"
Italiens Presse stellt Juve und seinen Manager als mutmaßliche Betrüger an den Pranger. Alte Vorwürfe von einer Fußball-Mafia leben auf. Das Nationale Olympische Komitee (CONI) distanzierte sich als Dachorganisation des italienischen Sports von den alten Funktionären und will in einem möglicherweise anstehenden Prozess sogar als Nebenkläger auftreten. Auch die neue Regierung von Romano Prodi reagierte und kündigte die Einsetzung einer parlamentarischen Untersuchungskommission ein.
Der abgewählte Ministerpräsident und Milan-Besitzer Silvio Berlusconi stellte fest: "Es ist schrecklich."




