Wahrnehmung von Bundesligavereinen

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Amtierender Meister: FC Bayern München. Amtierender Torschützenkönig: Robert Lewandowski
UniMarburg
Milchbubi
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03.08.2010 16:58

Hallo,
hier die versprochenen Ergebnisse:



Bewunderung für Bremen und Missgunst für München - Wie werden die Vereine der ersten Bundesliga wahrgenommen?

Zusammenfassung:
In der Studie wurde untersucht, ob Emotionen, die gegenüber Fußballvereinen empfunden werden, auf den Dimensionen Wärme und Kompetenz beruhen und wie die Vereine der ersten Bundesliga der Saison 2009/2010 sich auf diesen Dimensionen einordnen lassen. Insgesamt zeigt sich, dass Fußballvereine überwiegend auf einer Dimension von Sympathie bis Antipathie bewertet werden. Allerdings gibt es mit dem FC Bayern München eine stark polarisierende Ausnahme – an diesem Verein scheiden sich die Geister und Respekt vermischt sich mit Abneigung. Es lassen sich darüber hinaus verschiedene Kategorien von Vereinen ausmachen, die bewundert oder verachtet (oder irgendetwas dazwischen) werden. Diese Urteile beruhen auf der Wahrnehmung von Erfolgen, Tradition und Wettbewerbsorientierung der Vereine.

Untersuchungsgegenstand:
Fußball ist das Spiel der Emotionen. Gerade auf den Rängen. Fans lieben oder hassen Vereine, sie freuen sich mit ihnen oder missgönnen ihnen ihren Erfolg. Was aber sind die Gründe für diese Gefühle? Wie werden die Vereine der 1. Fußballbundesliga von ihren Fans wahrgenommen und wie wirken sich diese Wahrnehmungen auf die Emotionen gegenüber den Vereinen aus? Diesen Fragen sind wir in einer sozialpsychologischen Studie mit 160 Fußballfans nachgegangen, in der die Befragten die 18 Vereine der 1. Bundesliga (Saison 2009/2010) auf den Dimensionen Wärme und Kompetenz einschätzen sollten. Zusätzlich sollten sie angeben, welche Emotionen sie gegenüber den Vereinen empfinden. Den theoretischen Hintergrund der Studie bildet das sogenannte Stereotype Content Model, nach dem Gruppen auf den Dimensionen Wärme und Kompetenz wahrgenommen werden, da diese die wichtigsten Informationen über andere bereitstellen: Wärme gibt an, ob eine Gruppe als freundlich oder feindlich gesinnt angesehen wird, Kompetenz besagt, ob der Gruppe zugetraut wird, ihre Ziele zu erreichen. Viele Studien zeigen, dass sich Gruppen anhand dieser Dimensionen in vier Kategorien einteilen lassen: Einige Gruppen werden als generell positiv eingeschätzt (warm und kompetent, z. B. Ärzte oder Sportler), andere als generell negativ, sprich kalt und inkompetent (z. B. Obdachlose oder Sozialhilfeempfänger). Daneben gibt es noch Gruppen, die ambivalent wahrgenommen werden: Alte und Behinderte werden bspw. als warm aber inkompetent gesehen, Feministinnen und Reiche als kalt und kompetent. Aus diesen Wahrnehmungen lassen sich bestimmte Emotionen vorhersagen: warme und inkompetente Gruppen werden bemitleidet, warme und kompetente Gruppen hingegen bewundert. Gegenüber kalten und inkompetenten Gruppen wird Verachtung empfunden, gegenüber kalten und kompetenten Gruppen Missgunst. Dieses Modell ermöglicht eine differenziertere Vorhersage von Emotionen gegenüber Gruppen als ein reines Sympathiemaß und wird daher in der aktuellen sozial-psychologischen Vorurteilsforschung häufig eingesetzt. Ziel unserer Untersuchung war zu schauen, ob sich anhand des Modells Sympathie und Abneigung gegenüber Bundesligavereinen differenzierter untersuchen lassen als bisher. Zu diesem Zweck wurde ein Fragebogen entworfen, der über einschlägige Onlineforen Fußballfans zugänglich gemacht wurde. 164 Fußballfans verschiedener Vereine haben den Fragebogen vollständig ausgefüllt.

Ergebnisse:
Es zeigen sich bei der Kategorisierung von Fußballvereinen - anders als bei anderen Gruppen in vorhergehenden Studien - kaum ambivalente Einschätzungen (warm/inkompetent oder kalt/kompetent). Eine Ausnahme ist der FC Bayern München, der als kalt und kompetent eingestuft wird. Die restlichen Vereine werden entweder als warm und kompetent (z. B. Werder Bremen; Hamburger SV) oder als kalt und inkompetent (z. B. 1899 Hoffenheim; VFL Wolfsburg) gesehen, was als generelle Sympathie oder Antipathie zu verstehen ist. Die statistische Analyse unserer Daten zeigt darüber hinaus, dass sich vier Gruppen von Wahrnehmungen unterscheiden lassen: Die Vereine in Kategorie A werden als kalt und inkompetent wahrgenommen, die Vereine in Kategorie C als warm und kompetent. In Kategorie B finden sich die Vereine, die weder sonderlich gemocht, noch abgelehnt werden und in Kategorie D steht der FC Bayern München – respektiert (für die Kompetenz) aber nicht beliebt.
Welche Folgen haben diese Wahrnehmungen nun für die Emotionen gegenüber den Vereinen? Dazu haben wir getestet, welche Emotionen gegenüber den Vereinen in den vier Kategorien am deutlichsten empfunden werden: Wie erwartet, wird gegenüber Vereinen in Kategorie A (z.B. Hoffenheim, Schalke, Hertha) vor allem Verachtung empfunden. Gegenüber Vereinen aus Kategorie C (Bremen, HSV) wird vor allem Bewunderung empfunden. Bayern München (Kategorie D) wird vor allem Missgunst entgegengebracht, während bei den Vereinen in Kategorie B (z.B. Leverkusen, Nürnberg) die Emotionen insgesamt schwach und wenig eindeutig waren. Es fällt also auf, dass die Wahrnehmung von Wärme und Kompetenz mit bestimmten Emotionen gegenüber den Vereinen verbunden ist – besonders auffällig dabei die „ambivalenten“ Bayern, die einerseits als sehr kompetent gesehen werden, aber andererseits gerade dafür wenig beliebt sind. Dieser Mangel an Sympathie unterscheidet sich aber grundlegend von der Unbeliebtheit der Vereine in Kategorie A. Unseren Ergebnissen zufolge hängt die Einschätzung von Wärme und Kompetenz der Bundesligavereine von bestimmten Eigenschaften ab, die den Vereinen zugeschrieben werden. Vereine werden als kompetent eingeschätzt, wenn sie über eine lange Tradition verfügen sowie spielerisch und finanziell gut aufgestellt sind. Diese Einschätzungen treffen sowohl auf Werder Bremen als auch auf Bayern München zu, die beiden Vereine, die in unserer Studie als höchst kompetent eingeschätzt wurden. Als besonders kalt werden Vereine dann wahrgenommen, wenn sie sehr wettbewerbsorientiert auftreten. Diese Einschätzung trifft unseren Ergebnissen nach am ehesten auf Hoffenheim und Bayern München zu.

Kontakt:

Dr. Frank Asbrock
FB Psychologie
AG Sozialpsychologie
Philipps-Universität Marburg
Gutenbergstraße 18
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Tel: 06421/28-23624
Fax: 06421/28-23789
asbrock@staff.uni-marburg.de


Dipl.-Psych. Mathias Kauff
FB Psychologie
AG Sozialpsychologie
Philipps-Universität Marburg
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Cand.-Psych. Hannes Münchow
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AG Sozialpsychologie
Philipps-Universität Marburg
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03.08.2010 19:27

UniMarburg hat geschrieben: Wie erwartet, wird gegenüber Vereinen in Kategorie A (z.B. Hoffenheim, Schalke, Hertha) vor allem Verachtung empfunden.
muahah, wenn lion das auch nur erahnt hätte wäre der beitrag zur aufforderung an einer online-umfrage keine 5 minuten nach erscheinen von der bildfläche verschwunden gewesen... :lol:
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04.08.2010 01:35

da Ergebnis das ich erwartet hab.
Ich kann Schalke auch nicht leiden. Schwer zu sagen warum, das hat sich so entwickelt. Sogar die HSV-fans hassen Schalke... :?
Das die beiden Norclubs ganz oben mitmischen ist auch nicht gerade ne Überraschung.

Ich hätte gerne ne genauere Auflistung der Vereine in den verschiedenen Kategorien... :wink:

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