Die Krise des deutschen Clubfußballs

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Diskussionen zu Spielen, Vereinen, Trainern, Transfers, Taktik und Entwicklungen im deutschen Oberhaus – saisonübergreifend und aktuell.
zocka
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Die Krise des deutschen Clubfußballs

16.03.2006 17:56

Erlaubt mir angesichts der Ergebnisse im Europapokal einige kritische Einschätzungen, die ich gern zur Diskussion stellen würde....

Die Krise des deutschen Clubfußballs auf internationaler Bühne, die sich bereits in den vergangenen Jahren angedeutet hat, hat sich in diesem Jahr, mit dem verfrühten Ausscheiden fast aller international tätigen Vereine (warten wir mal Schalke heut Abend ab), zu einer mittelschweren Katastrophe entwickelt. Natürlich sollte man innerhalb der Gruppe der Ausgeschiedenen deutlich differenzieren, denn während Werder Bremen in Turin nur durch den haarstäubenden Fehler ihres „Spiegel“ genannten Schlussmannes ausschied, so scheiterten etwa Bayern München gegen Mailand, Hertha BSC gegen Bukarest und der VFB Stuttgart gegen Middlesbourgh vollkommen zurecht und aufgrund mangelnder Substanz auf so ziemlich jedem Gebiet das erforderlich ist um erfolgreich Fußball zu spielen. Man kann allein angesichts der internationalen Bilanz deutscher Vereine im Europapokal der vergangenen Jahre von einer langanhaltenden Krise ohne Ausnahmen sprechen. Die Gründe hierfür sind aus meiner Sicht vielschichtig und vorwiegend langwieriger Natur:

Grund 1: Nachwuchsarbeit

Die deutschen Vereine erkannten viel zu spät die erheblichen Möglichkeiten eigener umfassender Nachwuchsförderung. Die mangelnde Erfahrung und Kompetenz vieler Vereine und ihrer Trainer auf diesem Gebiet führt auch heute noch zahlreichen Fehlentwicklungen. Als Beispiel möchte ich an dieser Stelle nur kurz Hertha BSC anführen, die trotz allseitigen Lobs für ihre Nachwuchsakademie, nun über die Einführung einer Art des Ethik Unterrichts für Jung-Profis beraten, da die „spielenden Prolls“ trotz exzellenter fußballerischer Voraussetzungen nicht die gewünschte Einstellung und Leistung an den „Spieltag“ legen.

Grund 2: Taktik Fehlanzeige!

Ein entscheidendes Resultat der in Punkt 1 genannten Missstände ist die schlechte taktische Schulung von Bundesligaspielern.

Grund 3: Technik Fehlanzeige!

Eine weitere Folgeentwicklung der oben genannten Missstände ist die der technischen Unzulänglichkeit viel zu vieler Spieler in der Bundesliga, die eine negative Wirkung auf das Gesamtniveau der Liga hat und ihre Auswirkungen bis in die Nationalmannschaft hinein zeigt. Nicht umsonst ist es allseits unumstritten, das nur 1-2 deutsche Nationalspieler internationales Topformat besitzen. Und seien wir doch mal ehrlich, ob nun letztlich Mike Hanke, der ohnehin die ersten 2 WM-Spiele gesperrt ist oder Thomas Brdaric mit zur WM fahren ist eine Wahl zwischen zwei Spielern die beide international unbrauchbar sind (sie mögen mich gern vom Gegenteil überzeugen).

Grund 4: mangelnde Auslanderfahrung deutscher Spieler

Die Bundesliga gehört im europäischen Vergleich längst nicht mehr zur Elite und bietet daher jungen Spielern kaum die Möglichkeit sich auf ein internationales Top-Niveau zu entwickeln. Vielversprechende Möglichkeiten wie Austauschgeschäfte mit ausländischen Vereinen werden kaum genutzt, da einerseits zu wenige Kooperationen gepflegt werden, andererseits u.a. aus oben genannten Gründen kaum Interesse an jungen deutschen Spielern besteht.

Auch die negative Entwicklung der Nationalmannschaft, die sich, im Gegensatz zu anderen Fußballergenerationen, in der Gegenwart, zwecks Alternativen, fast ausschließlich aus Bundesligaspielern rekrutiert, muss unter diesem Gesichtspunkt betrachtet werden.

Danke für die Aufmerksamkeit!
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Barny
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19.03.2006 21:04

Anscheinend fehtl es am Europacup Feuer! Was waren das früher für Begegnungen, wo es vom 1. Spieltag an voll zur Sache ging. Seit der Einführung der Gruppenphase im UEFA Cup kommt es mir vor, das einige Vereine nur erpicht darauf sind, in den Vorrundenspielen halbwegs abzuschneiden um eine Runde weiter zu kommen. Dann fehlt es an der nötigen Einstellung wenn es in Hin- und Rückspiel um Alles oder Nichts geht!
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20.03.2006 01:46

Hallo zocka,

zunächst mal Danke für den Anstoß dieses wichtigen Themas.

Deine aufgeführten Gründe sind alle korrekt. Einer fehlt mir aber noch. Gemeint ist das Geld. Die Bundesliga-Klubs können finanziell einfach nicht mit den Topklubs der ausländischen Ligen mithalten.

Wann hat der FC Bayern schon mal 50 Mio. für einen Top-Spieler ausgegeben? Und Top-Spieler wie Essien, Drogba etc. sind eben erst ab 30 Mio. aufwärts zu bekommen. Das ist selbst für den FC Bayern zuviel, vom Rest der Liga ganz zu schweigen. Selbst die 5 Mio. für Klose waren für Werder schon viel Geld und ein großes Risiko.
(Umso verwunderlicher ist es, das Werder Juve am Rande des Aus hatte).

Der FC Chelsea oder Real Madrid locken die Top-Stars mit viel Geld. Selbst Olympique Lyon hat längst alle Bundesliga-Klubs abgehängt. Die französische Liga ist meiner Meinung nach mittlerweile stärker einzuschätzen als die Bundesliga.

Scheinbar begreifen es aber einige Funktionäre immer noch nicht wohin die Reise führt. Portugal und Holland sitzen uns wegen dem 3. Champions-League Platz schon im Nacken.
Die Bayern träumen seit Jahren vom Gewinn der Champions-League und verkünden jedes Jahr aufs Neue, dass sie es diesmal schaffen können. Mal ehrlich: Schaut euch den Kader der Bayern doch mal an. National reicht es natürlich um Meister un Pokalsieger zu werden. Aber international ist da einfach zu wenig Klasse vorhanden. Ismael hat nichtmal einen Platz in der französischen Nationalelf. Makaay spielt in Holland ebenfalls keine Rolle mehr. Pizzarro und Guerrero magen gute Stürmer sein, aber "gut" reicht nun mal nicht um mit Weltklasse-Stürmern wie Adriano oder Henry mitzuhalten. Deisler und Scholl spielen kaum...Karimi zeigt gute Ansätze, aber ist er mit Kaka oder Ronaldinho zu vergleichen? Es ist eine Illusion, dass die Bayern in den nächsten Jahren die Champions-League gewinnen, nicht mit diesem Kader...

Viel zu viele Stars verlassen die Bundesliga und es kommen kaum welche nach. D'Alessandro, Petrov, Amoroso...zuviele prominente Abgänge.

Deutschland hat gegenüber den ausländischen Ligen aber auch Vorteile. Die Stadien sind im Vergleich zu Italien hervorragend, die Stadien sind voll. Die Bundesliga hat den höchsten Zuschauerschnitt. Den Klubs geht es überwiegend gut. Die Spielergehälter werden gezahlt. Die Spieler können sich sicher fühlen (und werden nicht erschossen, wenn sie mal schlecht spielen, wie in manch anderen Ligen).

Diese Vorzüge in Verbindung mit mehr Geld für die Bundesliga-Klubs (der Anfang ist ja schon gemacht) und der WM 2006 Euphorie sollte es doch möglich machen, dass bald wieder deutsche Klubs im Champions-League-Finale stehen.
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Genialus
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20.03.2006 13:58

Wie sagte mal ein Trainer Rehagel:

"Geld schießt keine Tore"
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Sandra
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20.03.2006 17:24

ja Geld schießt keine Tore aber Geld erhöht die Wahrscheinlichkeit Tore zu schießen, sonst wäre Barcelona, Lyon und Milan nicht im Viertelfinale.

Außerdem gibt es ja auch noch das Sprichwort "Qualität setzt sich durch"
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Genialus
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20.03.2006 19:12

Klar, ohne Geld geht im Club der Großen nichts.

Was wäre Chelsia ohne ihren Russen. Einige Clubs in der
CL gehören sozusagen ihren Präsidenten. Sehr gefährlich.

Präsident pleite = Verein pleite.
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Barny
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20.03.2006 23:11

Das man eine Mannschaft auch kontinuierlich verstärken kann sieht man am Beispiel Lyon. Dort wurde über Jahre hinweg die Mannschaft Jahr für Jahr verstärkt, und das obwohl Leistungsträger abgegeben wurden. (Essien zu Chelsea z.B.)

Lyon ist Stammgast im Viertelfinale der Championsleague und hat auf den französischen Meistertitel ein Abo.
Villarreal und Benfica sind in meinen Augen "Eintagsfliegen" wie es sich jedes Jahr gibt.

Da wundert es mich, das die deutschen Teams da nicht mithalten können. Fussball-Forum hat es auch schon angesprochen: Das Umfeld bei den deutschen Klubs ist ideal. Nahezu alles neue Stadien, meist solide finanzielle Verhältnisse, Top-Marketing etc. Ob das ein Klub wie Villarreal zu bieten hat?
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22.03.2006 00:26

Villareal hat halt den Bonus, dass es eine "argentinische Filiale" ist.
Riquelme und Sorin sind ja auch nicht gerade die schlechtesten Fussballer. Viele junge Spieler aus Südamerika zieht es halt nach Spanien.

Vielleicht wegen dem Klima? Vielleicht weil da bereits soviele aus dieser Nation spielen?

Die Argentinier in der Bundesliga kann man an 2 Händen abzählen.
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Barny
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22.03.2006 22:42

Das komische an der ganzen Sache ist nur, warum es einen Riquelme oder einen Forlan, die sich beide bei Topklubs nicht durchsetzen konnten, ausgerechnet zu einem für spanische Verhältnisse, Provinzklub wechseln? Da muß es wirklich am Klima liegen, das es keinen von den genannten Spielern in die Bundesliga zieht.
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23.03.2006 02:30

Bei Riquelme glaube ich nicht, dass er sich nicht weil er schlecht ist nicht durchgesetzt hat, sondern weil er ein sehr empfindlicher Junge ist. Da ist ein Provinzklub gerade das richtige.

Die jungen Spieler aus Argentinien wechseln eben dahin wo ihre Vorbilder und Stars der Nationalelf spielen.
Und Riquelme, Messi und Co. spielen eben in Spanien.

In der Bundesliga gibt es außer Demichelis und vielleicht noch Klimowicz nur zweitklassige Argentinier. Ich denke selbst diese würden lieber in Spanien spielen...

Am Klima können wir leider nichts ändern, der zweite Faktor ist das Geld. Die Topstars müssen mit Geld gelockt werden, dann ist auch das Klima egal.
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02.05.2006 15:27

Genialus hat geschrieben:Wie sagte mal ein Trainer Rehagel:

"Geld schießt keine Tore"
Damit ist aber eher gemeint das man ein Team voller Stars erstmal unter einen Hut bringen muß. Auf Dauer gesehen muß man aber in eine Mannschaft gezielt investieren. Die Spieler sollten aber zum Verein passen. Einzelgänger hatten es schon immer schwer.
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