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Marc Wilmots:
Wiliiiiiiiiiiiii war Trainer und Spieler auf Schalke!
Interview mit Marc Wilmots: „Ich bin ein Freund – aber ich kann ebenso knallhart sein!“ Saison 02/03
Seit gut zwei Wochen ist er nun Teamchef der Königsblauen. Im Interview spricht Marc Wilmots über seine neue Aufgabe und die Zwickmühle, in die ihn diese Entscheidung gebracht hat.
Marc Wilmots, wenn Sie bisher über das Leben nach Ihrer aktiven Laufbahn als Fußballer nachdachten, sprachen Sie über die Perspektive, als Manager bei einem Verein zu arbeiten, dann schien der Schritt in die belgische Politik beschlossene Sache. Wie lange dauerte es, bis Sie sich auf die Vorstellung einlassen konnten, Trainer bei Schalke 04 zu sein?
Ich hatte keine Zeit, um richtig nachzudenken, denn alles ging viel zu schnell. Noch beim Spiel gegen München 1860 habe ich eine halbe Stunde gespielt und mitzuhelfen versucht, der Partie noch einmal eine Wende zu geben. Am Montag danach fühlte Manager Rudi Assauer erstmals vor, ob ich mir zutrauen würde, die Aufgabe des Trainers zu übernehmen. „Du musst mir sagen, in welcher Rolle ich Schalke am besten helfen kann“, habe ich ihm geantwortet. „Das kann ich auch als Fußballer tun.“
Wie haben Sie reagiert, als die Antwort „Trainer“ lautete?
Ich hätte beide Lösungen akzeptiert, und zwar aus folgendem Grund: Vor sieben Jahren bin ich nach Schalke gekommen, da wurde gerade die alte Geschäftsstelle um eine Etage aufgestockt. Der Verein war zum ersten Mal nach 19 Jahren wieder international dabei und alle haben sich wirklich unheimlich gefreut. Jetzt steht hier ein zweites, größeres Verwaltungsgebäude, dazu die Arena AufSchalke, eine Reihe von Trainingsplätzen, von denen 1996 nicht einmal die Rede war. Es wäre doch richtig schade, wenn man unter solch großartigen Bedingungen nicht in einem Europapokal mitwirken könnte. Ich sehe mich als Mitarbeiter von Schalke 04 und will tun, was in meiner Macht steht, um das zu ermöglichen – sei es als Spieler oder als Trainer.
Im Trubel um diese Entwicklung ist es fast untergangen, dass damit nebenbei eine zweite Entscheidung gefällt wurde: Die Laufbahn des Fußballers Marc Wilmots ist beendet. Normalerweise wäre diese am 24. Mai beim Spiel gegen den designierten Meister Bayern München mit einem Festakt ausgeklungen. Bedauern Sie, dass es diesen offiziellen Schlussakt nicht geben wird?
Für mich war der Knackpunkt mein Einsatz beim Spiel der Weltauswahl im vergangenen Dezember bei Real Madrid. Ich als „kleiner Belgier“ durfte bei dieser FIFA-Gala mitspielen und mir wurde damit großer Respekt erwiesen. Schon damals habe ich zu meiner Frau Kathrin gesagt: „Eigentlich ist es schade, dass ich jetzt noch weiterspiele. Das wäre der richtige Moment gewesen, um aufzuhören.“ Bis jetzt hatte ich noch gar keine Zeit, zu realisieren, dass ich nie mehr in einem Pflichtspiel zum Einsatz kommen kann. Ich fühle mich noch als Teil der Mannschaft, bei den Trainingseinheiten mache ich weiter mit. Ein neuer Lebensabschnitt beginnt ab dem 1. Juni, wobei ich mir eine Tür zum Profifußball offen lassen will.
Sie sind inzwischen seit 18 Tagen Teamchef bei den Knappen. Reichen knapp drei Wochen, um die nötige Distanz zu den ehemaligen Mitspielern aufzubauen – oder wollen Sie das gar nicht?
Ich sehe ebenso keinen Grund, warum ich mit den Spielern kein Bier trinken gehen sollte. Es ist ja nicht so wie in der Schule, wo es Schüler gibt und sich die Lehrer als große Meister aufspielen. Ich bin ein Freund, aber ich kann auch knallhart sein. Aber wenn ich das tue, dann unter vier Augen. Mir ist das Kollektiv wichtig, dazu gehören alle Spieler, die medizinische Abteilung, unser Zeugwart Enrico Heil. Ich möchte eine Ersatzbank haben, in der jeder jubelt, wenn wir ein Tor geschossen haben. Ich will einen fairen Konkurrenzkampf. Auch ich kann nur elf Spieler aufstellen. Wenn einer nicht spielt, gibt es nur eine Möglichkeit: besser zu sein als ein anderer Spieler. Das muss er durch Leistung auf dem Trainingsplatz zeigen.
In den ersten Wochen haben Sie großen Wert auf den Teamgeist gelegt. Hatten Sie wie zuvor Manager Rudi Assauer und anschließend diverse Spieler Defizite in diesem Bereich ausgemacht?
Wenn es nicht gut läuft, schaut jeder zuerst auf sich, achtet darauf, dass er selbst gut aussieht: Das ist menschlich – aber so darf es nicht bleiben. Es kann nicht sein, dass man erst kurz vor Beginn zum Training kommt, und 15 Minuten nach dem Ende der Trainingseinheit schon wieder aus der Kabine verschwunden ist. Deswegen habe ich Sven Vermant, der einen Tag vor dem Spiel in Nürnberg 30 Jahre alt wurde, gebeten: Junge, bring für den Sonntag Champagner mit. Ein solches Zusammengehörigkeitsgefühl ist wichtig für den Erfolg einer Mannschaft.
Das hört sich so an, als habe der Teamchef Wilmots die Prinzipien des Fußballspielers Wilmots übernommen.
Für mich hat sich nichts geändert. Nach diesen Grundsätzen spiele ich nicht nur Fußball, sondern baue auch ein Haus und regele die täglichen Dinge des Lebens. Viele Leute drehen sich nach dem Wind. Ich tue das nicht. Wenn es falsch ist, was ich tue, o.k., dann ist es meine Schuld. Aber ich habe eine gerade Linie und ich will Ehrlichkeit. Ich glaube, das kommt ein bisschen von meinem Vater.
„Jeder ist wichtig“; „Ich stelle meine Mannschaft nicht nach System auf, sondern schaue erst, welche Spieler ich zur Verfügung habe“; „Ehrlich und fair miteinander umgehen“ - auch wenn Sie mit ihm nicht immer einer Meinung waren: Viele dieser Kernaussagen decken sich mit denen Ihres Vorgängers Huub Stevens. Ist das Zufall?
Ich bin mehr ein Typ wie Arie Haan, obwohl ich verglichen mit ihm mehr Wert auf Disziplin lege. Arie war wirklich verdammt locker... Aber er hat das damals bei Standard Lüttich richtig gut gemacht, hat sich die Spielertypen angeschaut, überlegt, wo wer am besten seine Stärken einbringen kann. Dabei entstand eine Mannschaft, die wirklich das Optimale erreicht hat. Eine Mannschaft einem System unterzuordnen, das kann nicht funktionieren. Es gibt eben Wahrheiten im Fußball, die muss man anerkennen. Das tun Huub Stevens, Arie Haan oder auch ich – jeder auf seine Weise.
Was ist Ihnen sonst in den ersten Tagen im neuen Job aufgefallen?
Dass man als Spieler ein verdammt angenehmes Leben hat. Jetzt muss ich mich um viel mehr Dinge kümmern, für noch mehr Interviews bereitstehen als zu meiner aktiven Zeit.
Bei Ihrem Debüt in Nürnberg haben Sie 90 Minuten fast nur gestanden. Warum?
Zusammen mit Oliver Reck haben wir eine gute Taktik gemacht. Aber im Spiel läuft doch vieles anders. Darauf muss man reagieren, also bin ich stehen geblieben.
Waren Sie nervös?
Natürlich hatte ich etwas mehr Adrenalin im Blut als sonst. Du weißt, dass jeder auf dich schaut. Aber sonst war es nicht ungewöhnlich. Diese Perspektive von der Bank kenne ich ja als Auswechselspieler.
Bis zum Saisonende fungieren Sie als Teamchef mit einer Ausnahmegenehmigung der Deutschen Fußball-Liga, da Ihnen der Trainerschein noch fehlt. Manch ein Kollege mokierte sich ob dieses Umstandes.
Es gab in Belgien einen Trainer, der hat die Trainerausbildung als mit Abstand Jahrgangsbester abgeschlossen. Bei seinem ersten Verein wurde er nach sechs Wochen und sechs Niederlagen in Folge beurlaubt. Ich will den Kollegen nicht runtermachen, sondern nur sagen: Eine Ausbildung ist sicherlich sinnvoll, doch man weiß ebenso, dass Theorie und Praxis zwei verschiedene Dinge sein können.
Wie, glauben Sie, wird die Arena AufSchalke den Teamchef Marc Wilmots bei seiner Premiere gegen Energie Cottbus empfangen?
Warum ist das so wichtig? Die Fans sollen vor allem die Mannschaft unterstützen, denn die braucht die Anhänger. Ich hoffe, dass wir ein bisschen mehr Glück als in Nürnberg haben, dann kommt alles von selbst. Aber eines weiß ich: Die Fans in Schalke verzeihen dir alles, wenn du mit ganzem Herzen 90 Minuten für Schalke gekämpft hast. Unsere Aufgabe ist klar: Gegen Cottbus muss ein Sieg her, dann folgen für uns sechs Endspiele für unser großes Ziel Europapokal.
Ebbe Sand wartet seit fast fünf Monaten auf ein Tor. Wie können Sie ihm helfen, diese Misserfolgsserie zu beenden?
Man sollte sich nicht fragen, wie lange er schon nicht mehr getroffen hat, sondern mal überlegen, wie viele Tore er schon für Schalke geschossen hat. Diese Qualitäten können ihm nicht abhanden gekommen sein, dafür ist er mit 30 Jahren noch viel zu jung. Ebbe ist ein Strafraumspieler. Wir müssen wieder Flanken in den Strafraum bekommen, damit er seine Stärken ausspielen kann. Und es darf nicht mehr sein, dass er ohne Ende nach hinten arbeitet, ihm dafür vorn die Kraft beim Abschluss fehlt. Es kann vielleicht sein, dass er mal ein Spiel auf der Bank sitzt, um eine schöpferische Pause zu erhalten. Ich bin mir sicher, dass Ebbe seine alte Stärke zurückgewinnt.
Was passiert, wenn das Experiment mit dem Teamchef Marc Wilmots erfolgreich ist: Verabschieden Sie sich nach dem 24. Mai und gehen in die Politik, oder bitten Sie den belgischen Außenminister Louis Michel, Sie aus Ihrem Wort zu entlassen?
Ganz ehrlich: Ich stecke in dieser Frage richtig in der Klemme. Ende letzten Jahres befand ich mich in einem Loch, habe überlegt, was ich in der Zukunft nach der aktiven Karriere machen will. Da gab es das Angebot meines Freundes Louis Michel, mich in der Politik zu engagieren. Etwas in Richtung Sport für die Jugend zu tun, das konnte ich mir vorstellen. Erhält meine Partei bei den Wahlen am 18. Mai 200.000 Stimmen, dann bin ich in den Senat gewählt. Drei Jahre wollte ich sehen, ob die Politik etwas für mich sein könnte, in der Zeit auch in Belgien mein Trainerdiplom erwerben. Weil das alles feststand, bin ich auch mit meiner Familie bereits nach Belgien gezogen. Dann kam der Anruf des Managers.
Worin besteht die Zwickmühle?
Ich möchte nicht als Lügner dastehen! Deswegen habe ich auch vor der Wahl keine Versprechungen abgegeben, sondern will in den drei Jahren etwas schaffen, das den Menschen weiterhilft. Außerdem bin ich davon ausgegangen, dass ich nach fast 17 Jahren Fußball endlich einmal meine Familie jeden Tag sehen kann. Derzeit fahre ich fast jeden Tag 500 Kilometer, pendele zwischen Belgien und Gelsenkirchen. Und ich bin nicht dumm: Ein Engagement als Trainer kann schnell zu Ende sein. Jeder soll sich mal fragen, wie er in meiner Situation entscheiden würde.
Schieben Sie diesen Gewissenskonflikt beiseite, um sich auf Ihre Aufgabe in Schalke konzentrieren zu können?
Das muss ich, denn es gibt keine andere Lösung. Auf der anderen Seite: Senator in Belgien oder Trainer in Schalke – es gibt Entscheidungen mit schlechteren Alternativen...
Quelle: schalke04.de
Jetzt am Wochenende war er auf Schalke im Arena Dome! Er symbolisiert ja wirklich das Schalker Kampfschwein! Mal sehen vllt. gibt es ja eines Tages ein Wiedersehen!
Wiliiiiiiiiiiiii war Trainer und Spieler auf Schalke!
Interview mit Marc Wilmots: „Ich bin ein Freund – aber ich kann ebenso knallhart sein!“ Saison 02/03
Seit gut zwei Wochen ist er nun Teamchef der Königsblauen. Im Interview spricht Marc Wilmots über seine neue Aufgabe und die Zwickmühle, in die ihn diese Entscheidung gebracht hat.
Marc Wilmots, wenn Sie bisher über das Leben nach Ihrer aktiven Laufbahn als Fußballer nachdachten, sprachen Sie über die Perspektive, als Manager bei einem Verein zu arbeiten, dann schien der Schritt in die belgische Politik beschlossene Sache. Wie lange dauerte es, bis Sie sich auf die Vorstellung einlassen konnten, Trainer bei Schalke 04 zu sein?
Ich hatte keine Zeit, um richtig nachzudenken, denn alles ging viel zu schnell. Noch beim Spiel gegen München 1860 habe ich eine halbe Stunde gespielt und mitzuhelfen versucht, der Partie noch einmal eine Wende zu geben. Am Montag danach fühlte Manager Rudi Assauer erstmals vor, ob ich mir zutrauen würde, die Aufgabe des Trainers zu übernehmen. „Du musst mir sagen, in welcher Rolle ich Schalke am besten helfen kann“, habe ich ihm geantwortet. „Das kann ich auch als Fußballer tun.“
Wie haben Sie reagiert, als die Antwort „Trainer“ lautete?
Ich hätte beide Lösungen akzeptiert, und zwar aus folgendem Grund: Vor sieben Jahren bin ich nach Schalke gekommen, da wurde gerade die alte Geschäftsstelle um eine Etage aufgestockt. Der Verein war zum ersten Mal nach 19 Jahren wieder international dabei und alle haben sich wirklich unheimlich gefreut. Jetzt steht hier ein zweites, größeres Verwaltungsgebäude, dazu die Arena AufSchalke, eine Reihe von Trainingsplätzen, von denen 1996 nicht einmal die Rede war. Es wäre doch richtig schade, wenn man unter solch großartigen Bedingungen nicht in einem Europapokal mitwirken könnte. Ich sehe mich als Mitarbeiter von Schalke 04 und will tun, was in meiner Macht steht, um das zu ermöglichen – sei es als Spieler oder als Trainer.
Im Trubel um diese Entwicklung ist es fast untergangen, dass damit nebenbei eine zweite Entscheidung gefällt wurde: Die Laufbahn des Fußballers Marc Wilmots ist beendet. Normalerweise wäre diese am 24. Mai beim Spiel gegen den designierten Meister Bayern München mit einem Festakt ausgeklungen. Bedauern Sie, dass es diesen offiziellen Schlussakt nicht geben wird?
Für mich war der Knackpunkt mein Einsatz beim Spiel der Weltauswahl im vergangenen Dezember bei Real Madrid. Ich als „kleiner Belgier“ durfte bei dieser FIFA-Gala mitspielen und mir wurde damit großer Respekt erwiesen. Schon damals habe ich zu meiner Frau Kathrin gesagt: „Eigentlich ist es schade, dass ich jetzt noch weiterspiele. Das wäre der richtige Moment gewesen, um aufzuhören.“ Bis jetzt hatte ich noch gar keine Zeit, zu realisieren, dass ich nie mehr in einem Pflichtspiel zum Einsatz kommen kann. Ich fühle mich noch als Teil der Mannschaft, bei den Trainingseinheiten mache ich weiter mit. Ein neuer Lebensabschnitt beginnt ab dem 1. Juni, wobei ich mir eine Tür zum Profifußball offen lassen will.
Sie sind inzwischen seit 18 Tagen Teamchef bei den Knappen. Reichen knapp drei Wochen, um die nötige Distanz zu den ehemaligen Mitspielern aufzubauen – oder wollen Sie das gar nicht?
Ich sehe ebenso keinen Grund, warum ich mit den Spielern kein Bier trinken gehen sollte. Es ist ja nicht so wie in der Schule, wo es Schüler gibt und sich die Lehrer als große Meister aufspielen. Ich bin ein Freund, aber ich kann auch knallhart sein. Aber wenn ich das tue, dann unter vier Augen. Mir ist das Kollektiv wichtig, dazu gehören alle Spieler, die medizinische Abteilung, unser Zeugwart Enrico Heil. Ich möchte eine Ersatzbank haben, in der jeder jubelt, wenn wir ein Tor geschossen haben. Ich will einen fairen Konkurrenzkampf. Auch ich kann nur elf Spieler aufstellen. Wenn einer nicht spielt, gibt es nur eine Möglichkeit: besser zu sein als ein anderer Spieler. Das muss er durch Leistung auf dem Trainingsplatz zeigen.
In den ersten Wochen haben Sie großen Wert auf den Teamgeist gelegt. Hatten Sie wie zuvor Manager Rudi Assauer und anschließend diverse Spieler Defizite in diesem Bereich ausgemacht?
Wenn es nicht gut läuft, schaut jeder zuerst auf sich, achtet darauf, dass er selbst gut aussieht: Das ist menschlich – aber so darf es nicht bleiben. Es kann nicht sein, dass man erst kurz vor Beginn zum Training kommt, und 15 Minuten nach dem Ende der Trainingseinheit schon wieder aus der Kabine verschwunden ist. Deswegen habe ich Sven Vermant, der einen Tag vor dem Spiel in Nürnberg 30 Jahre alt wurde, gebeten: Junge, bring für den Sonntag Champagner mit. Ein solches Zusammengehörigkeitsgefühl ist wichtig für den Erfolg einer Mannschaft.
Das hört sich so an, als habe der Teamchef Wilmots die Prinzipien des Fußballspielers Wilmots übernommen.
Für mich hat sich nichts geändert. Nach diesen Grundsätzen spiele ich nicht nur Fußball, sondern baue auch ein Haus und regele die täglichen Dinge des Lebens. Viele Leute drehen sich nach dem Wind. Ich tue das nicht. Wenn es falsch ist, was ich tue, o.k., dann ist es meine Schuld. Aber ich habe eine gerade Linie und ich will Ehrlichkeit. Ich glaube, das kommt ein bisschen von meinem Vater.
„Jeder ist wichtig“; „Ich stelle meine Mannschaft nicht nach System auf, sondern schaue erst, welche Spieler ich zur Verfügung habe“; „Ehrlich und fair miteinander umgehen“ - auch wenn Sie mit ihm nicht immer einer Meinung waren: Viele dieser Kernaussagen decken sich mit denen Ihres Vorgängers Huub Stevens. Ist das Zufall?
Ich bin mehr ein Typ wie Arie Haan, obwohl ich verglichen mit ihm mehr Wert auf Disziplin lege. Arie war wirklich verdammt locker... Aber er hat das damals bei Standard Lüttich richtig gut gemacht, hat sich die Spielertypen angeschaut, überlegt, wo wer am besten seine Stärken einbringen kann. Dabei entstand eine Mannschaft, die wirklich das Optimale erreicht hat. Eine Mannschaft einem System unterzuordnen, das kann nicht funktionieren. Es gibt eben Wahrheiten im Fußball, die muss man anerkennen. Das tun Huub Stevens, Arie Haan oder auch ich – jeder auf seine Weise.
Was ist Ihnen sonst in den ersten Tagen im neuen Job aufgefallen?
Dass man als Spieler ein verdammt angenehmes Leben hat. Jetzt muss ich mich um viel mehr Dinge kümmern, für noch mehr Interviews bereitstehen als zu meiner aktiven Zeit.
Bei Ihrem Debüt in Nürnberg haben Sie 90 Minuten fast nur gestanden. Warum?
Zusammen mit Oliver Reck haben wir eine gute Taktik gemacht. Aber im Spiel läuft doch vieles anders. Darauf muss man reagieren, also bin ich stehen geblieben.
Waren Sie nervös?
Natürlich hatte ich etwas mehr Adrenalin im Blut als sonst. Du weißt, dass jeder auf dich schaut. Aber sonst war es nicht ungewöhnlich. Diese Perspektive von der Bank kenne ich ja als Auswechselspieler.
Bis zum Saisonende fungieren Sie als Teamchef mit einer Ausnahmegenehmigung der Deutschen Fußball-Liga, da Ihnen der Trainerschein noch fehlt. Manch ein Kollege mokierte sich ob dieses Umstandes.
Es gab in Belgien einen Trainer, der hat die Trainerausbildung als mit Abstand Jahrgangsbester abgeschlossen. Bei seinem ersten Verein wurde er nach sechs Wochen und sechs Niederlagen in Folge beurlaubt. Ich will den Kollegen nicht runtermachen, sondern nur sagen: Eine Ausbildung ist sicherlich sinnvoll, doch man weiß ebenso, dass Theorie und Praxis zwei verschiedene Dinge sein können.
Wie, glauben Sie, wird die Arena AufSchalke den Teamchef Marc Wilmots bei seiner Premiere gegen Energie Cottbus empfangen?
Warum ist das so wichtig? Die Fans sollen vor allem die Mannschaft unterstützen, denn die braucht die Anhänger. Ich hoffe, dass wir ein bisschen mehr Glück als in Nürnberg haben, dann kommt alles von selbst. Aber eines weiß ich: Die Fans in Schalke verzeihen dir alles, wenn du mit ganzem Herzen 90 Minuten für Schalke gekämpft hast. Unsere Aufgabe ist klar: Gegen Cottbus muss ein Sieg her, dann folgen für uns sechs Endspiele für unser großes Ziel Europapokal.
Ebbe Sand wartet seit fast fünf Monaten auf ein Tor. Wie können Sie ihm helfen, diese Misserfolgsserie zu beenden?
Man sollte sich nicht fragen, wie lange er schon nicht mehr getroffen hat, sondern mal überlegen, wie viele Tore er schon für Schalke geschossen hat. Diese Qualitäten können ihm nicht abhanden gekommen sein, dafür ist er mit 30 Jahren noch viel zu jung. Ebbe ist ein Strafraumspieler. Wir müssen wieder Flanken in den Strafraum bekommen, damit er seine Stärken ausspielen kann. Und es darf nicht mehr sein, dass er ohne Ende nach hinten arbeitet, ihm dafür vorn die Kraft beim Abschluss fehlt. Es kann vielleicht sein, dass er mal ein Spiel auf der Bank sitzt, um eine schöpferische Pause zu erhalten. Ich bin mir sicher, dass Ebbe seine alte Stärke zurückgewinnt.
Was passiert, wenn das Experiment mit dem Teamchef Marc Wilmots erfolgreich ist: Verabschieden Sie sich nach dem 24. Mai und gehen in die Politik, oder bitten Sie den belgischen Außenminister Louis Michel, Sie aus Ihrem Wort zu entlassen?
Ganz ehrlich: Ich stecke in dieser Frage richtig in der Klemme. Ende letzten Jahres befand ich mich in einem Loch, habe überlegt, was ich in der Zukunft nach der aktiven Karriere machen will. Da gab es das Angebot meines Freundes Louis Michel, mich in der Politik zu engagieren. Etwas in Richtung Sport für die Jugend zu tun, das konnte ich mir vorstellen. Erhält meine Partei bei den Wahlen am 18. Mai 200.000 Stimmen, dann bin ich in den Senat gewählt. Drei Jahre wollte ich sehen, ob die Politik etwas für mich sein könnte, in der Zeit auch in Belgien mein Trainerdiplom erwerben. Weil das alles feststand, bin ich auch mit meiner Familie bereits nach Belgien gezogen. Dann kam der Anruf des Managers.
Worin besteht die Zwickmühle?
Ich möchte nicht als Lügner dastehen! Deswegen habe ich auch vor der Wahl keine Versprechungen abgegeben, sondern will in den drei Jahren etwas schaffen, das den Menschen weiterhilft. Außerdem bin ich davon ausgegangen, dass ich nach fast 17 Jahren Fußball endlich einmal meine Familie jeden Tag sehen kann. Derzeit fahre ich fast jeden Tag 500 Kilometer, pendele zwischen Belgien und Gelsenkirchen. Und ich bin nicht dumm: Ein Engagement als Trainer kann schnell zu Ende sein. Jeder soll sich mal fragen, wie er in meiner Situation entscheiden würde.
Schieben Sie diesen Gewissenskonflikt beiseite, um sich auf Ihre Aufgabe in Schalke konzentrieren zu können?
Das muss ich, denn es gibt keine andere Lösung. Auf der anderen Seite: Senator in Belgien oder Trainer in Schalke – es gibt Entscheidungen mit schlechteren Alternativen...
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