Deutschland – Paraguay | WM 2026 Sechzehntelfinale | Vorschau, Analyse & Aufstellung | 29.06.2026

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Deutschland – Paraguay | WM 2026 Sechzehntelfinale | Vorschau, Analyse & Aufstellung | 29.06.2026

27.06.2026 11:01

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Montag, 29. Juni 2026. 22:30 Uhr MESZ. Gillette Stadium, Foxborough bei Boston. Es ist so weit – das DFB-Team betritt erstmals in diesem Turnier den Platz im K.-o.-Modus. Siegen oder fliegen. Gegen Paraguay, den Dritten der Gruppe D, der schon in der Qualifikation Argentinien und Brasilien schlug. Niemand sollte sich von der Tabelle täuschen lassen.

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Die Ausgangslage: Gruppensieger mit Fragezeichen

Deutschland hat die Gruppe E als Sieger abgeschlossen – das war das erklärte Minimalziel, und es wurde erreicht. Die Bilanz: 7:1 gegen Curaçao, 2:1 gegen die Elfenbeinküste, 1:2 gegen Ecuador. Sechs Punkte, Platz eins, K.-o.-Runde. Auf dem Papier eine ordentliche Gruppenphase. Und doch überwiegt nach dem Abschlussspiel im Finalstadion von New York das schale Gefühl.

Das 1:2 gegen Ecuador war kein Zufall. Es war eine Warnung, die sauber gelesen werden muss. Sané trifft früh zur Führung, Deutschland wirkt zunächst souverän – und dann passiert das, was Nagelsmann nach dem Abpfiff selbst „zu viel Freestyle" nannte: Die Mannschaft verliert nach der 1:0-Führung jegliche Struktur, öffnet sich selbst, lässt Ecuador zurückkommen. Zwei Gegentore aus zwei ähnlichen Situationen. Neuer ohne Glück beim zweiten Einschuss. Kimmich nicht auf der Höhe. Nmecha und Pavlovic unsichtbar. Das Wusiala-Duo – bei der EM noch das Herz des deutschen Spiels – wieder ohne den entscheidenden Moment.

Nagelsmann räumte auf der Pressekonferenz ein: „Wir sind alle ernüchtert. Wir dürfen nicht jedes Spiel ein, zwei Gegentore bekommen." Kimmich ergänzte: „Wir müssen die Ballverlust-Quote minimieren." Bastian Schweinsteiger, ARD-Experte, urteilte klar: „Mit dem Ball erwarte ich mehr Dominanz. Wir sind nicht Weltspitze." Und Mats Hummels traf bei MagentaTV mit einem Satz, der nun zum geflügelten Wort geworden ist: „Sollten wir auf Paraguay treffen, werden sie eine ganz ähnliche Herangehensweise wählen wie Ecuador."

Paraguay war da noch nicht bestätigt. Jetzt ist es bestätigt. Hummels' Warnung gilt.

Paraguay: Drei Trainer, eine WM, ein Wunder

Wer die Geschichte von Paraguays WM-Qualifikation kennt, versteht warum Alfaro von einer Mannschaft spricht, die „from adversity" – aus Widerständen – gewachsen ist. Vor zwei Jahren lag Paraguay am Boden: Copa América 2024, alle drei Gruppenspiele verloren, sang- und klanglos ausgeschieden. In der CONMEBOL-Qualifikation nur fünf Punkte aus sechs Spielen. Drei verschiedene argentinische Trainer in kürzester Zeit. Als Gustavo Alfaro im August 2024 übernahm, glaubte kaum jemand noch daran, dass dieses Team die WM 2026 erreichen würde.

Was dann folgte, ist eine der überraschendsten Wendungen der südamerikanischen Fußballgeschichte. Unter Alfaro verlor Paraguay von zwölf Qualifikationsspielen nur eines – das Auswärtsspiel in Brasilien. Zu Hause wurde das Defensores del Chaco in Asunción zur Festung: Brasilien wurde 1:0 geschlagen (Diego Gómez erzielte das Tor), Argentinien mit 2:1 bezwungen, Uruguay mit weiteren Punkten auf Abstand gehalten. Als Sechster der CONMEBOL-Qualifikation – punktgleich mit Brasilien, Uruguay und Kolumbien – buchte Paraguay das Ticket. Ein dramatischer Sieg in Lima gegen Peru versiegelte das direkte Ticket.

Wie hat Alfaro das geschafft? Durch eine radikale Identitätsverankerung. Alfaro, 63, ein erfahrener Trainerroutinier aus Argentinien, hat Paraguay zu einer der kompaktesten Defensivmannschaften Südamerikas geformt. In 18 Qualifikationsspielen kassierte „La Albirroja" nur 10 Gegentore – darunter drei Elfmeter. In 8 von 18 Spielen blieb Paraguay torlos. Der Preis dafür: wenig Glanz, wenig Spektakel. Aber Punkte, Stabilität, WM-Ticket.

Wie Paraguay spielt: Das System unter der Lupe

Alfaros Grundprinzip ist denkbar einfach und denkbar effektiv: tief stehen, kompakt verteidigen, so wenig Räume geben wie möglich, und dann über schnelle Umschaltsituationen gefährlich werden. Fast alle Paraguayer postieren sich konsequent hinter dem Ball. Außenverteidiger rücken kaum vor. Sechser bleiben tief. Selbst die vorderen Spieler lassen sich weit fallen. Wenn Paraguay nach einem vertikalen Pass den Ball verliert, sind binnen Sekunden sämtliche Spieler wieder hinter dem Ball. Das kostet die Offensive Kreativität – gibt der Defensive aber eine Stabilität, die europäische Mannschaften regelmäßig zur Verzweiflung treibt.

Das Gefährlichste an Paraguay sind zwei Mechanismen: Erstens die Standards. Paraguay hat in der Qualifikation eine unverhältnismäßig hohe Anzahl an Standards verwandelt – Ecken, Freistöße, auch einfache Einwürfe in gefährliche Zonen. Gustavo Gómez und Fabián Balbuena sind kopfballstark, Omar Alderete macht Druck mit Körpereinsatz. Zweitens der Konter. Miguel Almirón auf links, Julio Enciso als Kreativposten, Antonio Sanabria als Zielspieler: Wenn Deutschland einmal zu weit aufrückt und den Ball verliert, wird es in Bruchteilen von Sekunden gefährlich.

Die Personalsorgen bei Paraguay

Alfaro muss für das Sechzehntelfinale zwei wichtige Ausfälle verkraften – und bekommt im Gegenzug eine Rückkehr.

Diego Gómez (Brighton & Hove Albion) ist der Taktgeber im Mittelfeld, der Kopf des paraguayischen Spielaufbaus. Er fehlt gegen Deutschland gesperrt. Das ist ein erheblicher Verlust – Gómez ist der Spieler, der im Halbraum kreuz und quer arbeitet, Pässe in die Tiefe sucht und nach jedem Abspiel sofort wieder anspielbereit ist. Ohne ihn wird Paraguays Mittelfeld deutlich flacher.

Omar Alderete (Sunderland AFC, Ex-Hertha BSC) wurde gegen Australien angeschlagen ausgewechselt. Sein Einsatz gegen Deutschland ist fraglich. Alderete ist der aggressivste Abwehrspieler Paraguays, körperbetont, kopfballstark. Für Bundesligafans kein Unbekannter: Er spielte vor sechs Jahren 17 Spiele für Hertha BSC.

Die Rückkehr: Miguel Almirón war beim letzten Gruppenspiel wegen einer Sperre nicht dabei. Der Ex-Newcastle-Spieler (jetzt bei einem US-Klub) kehrt zurück und ist der beste Einzelspieler Paraguays – flink, dribbelstark, der Mann für die Gegenoffensive.

Julio Enciso (RC Straßburg) kennt man in Deutschland durch die Conference League – Mainz 05 hatte die Freude, ihn unter anderen Umständen zu erleben. Der 22-Jährige ist Paraguays aufregendster junger Spieler, ein leichtfüßiger Dribbler, der aus der Tiefe heraus Überraschungsmomente kreiert. Antonio Sanabria (Cremonese, ehem. Eintracht Frankfurt) ist der Stürmer mit dem meisten WM-Qualifikationserfahrung – vier Tore im Qualifikationsprozess, körperlich präsent, aber kein klassischer Torjäger.

Die Deutschen und ihre offenen Fragen

Nagelsmann plant nach eigener Aussage keine radikalen Umbauten. Die größten Diskussionen ranken sich um drei Namen.

Joshua Kimmich – noch immer auf der Rechtsverteidigerposition, noch immer unter dem Druck derer, die ihn zurück ins Mittelfeld wollen. Matthäus kritisierte ihn scharf, auch aus dem eigenen Verband kamen kritische Töne. Nagelsmann bleibt bei seiner Haltung: keine Positionskorrektur geplant. Kimmich selbst sagte stoisch: „Das ist einzig und alleine die Entscheidung des Trainers." Für das Sechzehntelfinale gegen Paraguays Almirón auf links wird Kimmich auf der rechten Außenbahn gefordert sein wie selten.

Florian Wirtz – „Es fehlt ihm das Fortune, die Dosenöffner-Aktion", so Nagelsmann. Drei Gruppenspiele, keine wirklich prägenden Momente. Das ist schwer zu erklären bei einem Spieler, der in der Liverpool-Saison alles überstrahlte. Nagelsmann ist trotzdem überzeugt: „Das wird kommen, ganz sicher." Die K.-o.-Runde wäre der richtige Zeitpunkt.

Jamal Musiala – nach langer Verletzungspause ohne Rhythmus. Nagelsmann: „Bei Jamal geht es nur um Rhythmus. Er muss an sich glauben und nicht so viel nachdenken." Auch hier: die Erwartungen sind riesig, die Lieferung bisher überschaubar. Musiala traf gegen Curaçao – und dann nichts mehr. Gegen Paraguay mit seinem tiefen Defensivverbund braucht es Spieler, die auch gegen Mauern kreativ sind.

Nico Schlotterbeck fällt nach seiner Verletzung gegen die Elfenbeinküste sportlich aus, ist aber Teil des Kaders. Jonathan Tah übernimmt weiter als Abwehrchef. Assan Ouédraogo wurde für den verletzten Lennart Karl nachnominiert und ist eine Option von der Bank.

Mögliche Aufstellung Deutschland (4-2-3-1): Neuer – Kimmich, Tah, Rüdiger, Mittelstädt – Nmecha, Pavlovic – Sané, Wirtz, Musiala – Havertz.

Das historische Duell: Boston ist kein Zufall

Wer sich an die WM 2002 in Japan und Südkorea erinnert, weiß: Auch damals traf Deutschland im K.-o.-Bereich auf Paraguay – im Achtelfinale. Es war das knappste denkbare Ergebnis: 1:0 durch Oliver Neuville in der 88. Minute. Ein Krampftor, errungen gegen eine Mannschaft, die bis dahin kein einziges Gegentor in der Gruppenphase kassiert hatte. Paraguay war kein leichter Gegner 2002. Die Mannschaft Roque Santa Cruzs, José Luis Chilaverts und Carlos Gamarra war technisch versiert und defensiv herausragend. Deutschland gewann – und marschierte bis ins Finale.

24 Jahre später fehlen diese Topstars. Chilavert, Santa Cruz, Cardozo – eine Generation, die paragayischen Fußball weltweit bekannt machte – hat keine Nachfolger auf diesem Niveau. Aber die Haltung dieser Mannschaft, die Bereitschaft, gegen Favoriten zu arbeiten und zu kämpfen, ist geblieben. Und Alfaro hat ihr eine neue taktische Grundlage gegeben, die effektiver ist als alles, was Paraguay in den letzten 16 Jahren hatte.

Das Deja-vu-Risiko: Ecuador war erst der Anfang

Die Parallelen zwischen Ecuador und Paraguay sind so offensichtlich, dass sie inzwischen in jedem deutschen Medium stehen. Beide aus Südamerika. Beide mit kompakter Defensivstruktur. Beide mit Kontertempo. Beide mit Stärken bei Standards. Beide ohne technische Weltklasse, aber mit enormer kollektiver Disziplin. Deutschland verlor gegen Ecuador – trotz früher Führung, trotz klarer Überlegenheit auf dem Papier.

Die entscheidende Frage für Boston ist daher nicht, ob Deutschland besser ist als Paraguay. Die Antwort darauf ist: Ja, auf dem Papier eindeutig. Die Frage ist, ob Nagelsmanns Mannschaft die Lehre aus dem Ecuador-Spiel verinnerlicht hat. Ob sie nach einer Führung ruhig bleibt. Ob sie Kimmich als Rechtsverteidiger diszipliniert hält, wenn Almirón auf links immer wieder Eins-gegen-Eins sucht. Ob Wirtz und Musiala endlich den entscheidenden Moment finden. Und ob Neuer in der Defensive sicherer wirkt als in New Jersey.

Hummels sagte es, die Sportschau schrieb es, und jeder Bundesligatrainer, der Paraguay in der Qualifikation sah, bestätigte es: Diese Mannschaft ist unangenehm. Nicht spektakulär, aber unangenehm.

Wie geht es weiter?

Wer am Montag in Foxborough gewinnt, trifft am 4. Juli in Philadelphia (23:00 Uhr MESZ) im Achtelfinale auf den Sieger aus Frankreich – Schweden. Frankreich als Gruppensieger der Gruppe I ist klarer Favorit. Ein mögliches Viertelfinale würde am 9. Juli wieder in Boston stattfinden – dort wäre der Gegner aus dem Bracket Niederlande/Marokko/Südafrika/Kanada. Der Weg ist vorgezeichnet. Er führt aber erst über eine Mauer namens Paraguay.

Prognose der Forengemeinde

Wie seht ihr das Spiel? Geht Deutschland sicher durch, oder ist die Warnung berechtigt? Tippt euer Ergebnis im Thread!

Eines steht fest: Wer dachte, die WM beginnt erst ab dem Viertelfinale, hat die falschen Turniere geschaut. Das Sechzehntelfinale ist K.-o. Ab heute wird nichts mehr verschenkt.

Alle Angaben nach aktuellem Stand (27. Juni 2026). Aufstellungen und Personalentscheidungen bis Spielbeginn vorläufig.
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