Bei der WM in Stuttgart
Sensations-Bronze für unsere Turner
Eine atemberaubende Aufholjagd hat der deutschen Turn-Riege die erste Team-Medaille bei Weltmeisterschaften seit 16 Jahren eingebracht. Das Team um Fabian Hambüchen gewann sensationell Bronze.
Die 6000 Zuschauer in der Schleyer-Halle feierten die Turner, die einen Wettkampf der Superlative boten. Zuletzt hatte es 1991 in Indianapolis ebenfalls eine Bronzemedaille gegeben.
Einer der Höhepunkte war erneut die grandiose Flug-Schau Hambüchens am Reck, für die er mit 16,125 Zählern noch höher bewertet wurde als in der Qualifikation (16,025). "Wenn nicht jetzt, wann dann?", stimmte daraufhin der vieltausendfache Chor die bekannte "Höhner"-Melodie an.
"Eigentlich haben wir von der Papierform her keine Chance. Aber vielleicht ist dies sogar ein Vorteil", hatte Wolfgang Hambüchen zuvor die Ausgangslage geschildert und er sollte recht behalten. Ihr Zittergerät hatten die Deutschen zwar vernünftig bewältigt, rangierten aber dennoch nach dem Pferd nur an vorletzter Position.
Thomas Andergassen, der in der Qualifikation beim Abgang gepatzt hatte, rehabilitierte sich aber und holte fast 0,7 Punkte mehr als am Dienstag. Auch an den Ringen konnten die Deutschen mit den Besten nicht mithalten und fielen nach einem Stolperer von Philipp Boy beim Abgang sogar auf den letzten Platz zurück.
Nach dem Sprung kämpfte sich das Team um zwei Plätze nach vorn und verkürzte den Rückstand am Barren weiter. Hier löste vor allem Marcel Nguyen Beifallsstürme aus, als er seinen Tsukahara-Abgang, den nur eine Handvoll Turner beherrschen, in den sicheren Stand brachte. Am Reck gab es einen Dämpfer, als Boy seine saubere Übung nicht in den Stand brachte, mit den Händen aufgriff und zurecht mit Abzug bestraft wurde.
Doch Hambüchen machte die Einbuße wieder wett, so dass die Deutschen vor dem letzten Gerät sogar schon Platz drei innehatten. Am Boden ging nichts mehr schief, die Party konnte beginnen.
Der Titel ging mit 281,900 Punkten zum achten Mal an den Titelverteidiger aus China. Im "Turn-Krieg der Asiaten", wie Trainer Wolfgang Hambüchen das große Duell zuvor bezeichnet hatte, spielte die Riege des Olympia-Ausrichters ihre Trumpfkarte an den Ringen souverän aus, so dass Olympiasieger Japan (277,025) schon zeitig aus dem Kampf um Gold ausschied.
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