Fünf Millionen für Streit?
Frankfurt (fnp) Nur nicht aufregen, Ruhe bewahren, sich nicht provozieren lassen, alles so machen wie immer – Friedhelm Funkels Charakter ist in diesen Tagen bei der Frankfurter Eintracht Programm. Der dienstälteste Trainer der Fußball-Bundesliga ist damit gut gefahren in seiner langen Karriere und er ist überzeugt, dass auch im hektischen Abstiegskampf dies die richtige Marschroute ist.
Und so nimmt Funkel Niederlagen wie Siege fast stoisch hin und begegnet auch aufmüpfigen Profis mit demonstrativer Gelassenheit. So gießt Albert Streit fortwährend Öl ins Feuer, wenn auch möglicherweise gar nicht absichtlich, sondern unbewusst.
Auch nach dem Spiel gegen Alemannia Aachen, das mit einem 4:0-Sieg endete, hat Streit wieder fast täglich Interviews gegeben und darin seinen Weggang angekündigt. Dass er noch zwei Jahre bei der Eintracht unter Vertrag steht, ficht ihn dabei nicht an. Immerhin, inzwischen nennt Streit den wahren Grund für seine Abwanderungsgedanken. „Natürlich geht es auch ums Geld“, hat er gesagt. „Damit muss man leben“, hat Funkel nachsichtig geantwortet, „heutzutage müssen wir uns mit Dingen auseinandersetzen, die früher undenkbar waren.“ Vertragstreue ist bei der heutigen Spielergeneration nicht ausgeprägt. Funkel: „Geld regiert die Welt, das ist nun mal so.“ Und so geht es bei Streits Abgang auch nur noch ums Geld. Kommt ein Verein, der die Vorstellungen der Eintracht, die angeblich bei fünf Millionen Euro liegen sollen, erfüllt, darf er gehen.
Funkel ist überzeugt, die Eintracht könne den Verlust verschmerzen. „Wir haben mit Albert schon schlecht gespielt und wir haben ohne Albert schon gut gespielt,“ sagt er. Es würden neue Spieler kommen, die Abwanderer wie Jones und Streit ersetzen könnten. „Seien sie sicher, wir haben nächste Saison eine starke Mannschaft“, versichert der Frankfurter Trainer. Bei der Suche nach Neuzugängen werde neben den spielerischen Qualitäten auch auf charakterliche Stärke geachtet. Doch Funkel ist zu lange im Geschäft, um sicher zu sein, dass die Auswahl dann immer die Richtige sei. „Mal liegt man richtig, mal liegt man falsch und manchmal passieren während der Saison Dinge, die einfach nicht vorhersehbar sind“, sagt er.
Am liebsten würde der 53 Jahre alte Trainer noch gar nicht über die nächste Spielzeit reden, „weil wir alle Kraft für die letzten beiden Spiele brauchen.“ Personell wird sich nicht mehr viel ändern im Endspurt, alleine der Brasilianer Chris könnte nach überstandener Rückenverletzung zurückkehren. Marcel Heller wird nach einem Nasenbeinbruch mit einer Maske auf der Bank sitzen, andere wie Markus Weissenberger (Knöchelverletzung) und Michael Thurk (Nasennebenhöhlenentzündung) stehen noch nicht im Training. Es könnte also zum ersten Mal in dieser Saison passieren, dass die Eintracht gegenüber der Vorwoche am Samstag in Bremen unverändert einläuft. Funkel: „Wenn sich keiner verletzt, ist die Wahrscheinlichkeit groß.“ (kv)