Spieler Check bei Portugal ... von Sportal...
Gold ist Silber, Ronaldo ist Gold
Die goldene Generation ist abgetreten, mit Cristiano Ronaldo in Bestform soll es für Portugal aber noch erfolgreicher werden. Im Euro-Check macht sportal.de deutlich, dass die Portugiesen zu den Mitfavoriten zu zählen sind, für den ganz großen Wurf wird es aber wieder nicht reichen.
Stärken/Schwächen:
In der Offensive hat Trainer Luiz Felipe Scolari wenig Sorgen. Deco vom FC Barcelona soll die Angriffe initiieren, mit Cristiano Ronaldo, Ricardo Quaresma, Nani, Simao oder auch Helder Postiga hat der Coach in seinem bevorzugten 4-3-3 viele Optionen für die Position der Außenstürmer.
Insgesamt könnte der Erfolg aber zu sehr von Ronaldo abhängen. Der frisch gebackene Champions-League-Sieger ist derzeit der einzige richtige Torjäger. Bei den Stoßstürmern hakt es dagegen, Nuno Gomes ist in die Jahre gekommen und hat seine Torjägerqualitäten verloren, Hugo Almeida von Werder Bremen hat auf der internationalen Bühne auch noch nicht beweisen können, dass er ein klassischer Knipser ist.
Deshalb könnte Scolari auf zwei Spieler setzen, die noch nicht den großen Bekanntheitsgrad haben. Jorge Ribeiro (Boavisto Porto) hat erst acht Länderspiele auf dem Buckel, könnte aber auf der linken Seite beginnen. José Bosingwa ist ähnlich unerfahren, wechselt in der kommenden Saison aber zum FC Chelsea.
Und dann bleibt da noch das kleine Fragezeichen zwischen den Pfosten. Der eigentliche Stammkeeper Ricardo hat bei Betis Sevilla eine schwierige Saison hinter sich, in der der Abstieg nur knapp vermieden werden konnte. Ersatzmann Quim zeigte bei Benfica Lissabon dagegen stets konstante Leistungen und drängt ins Tor. Doch Scolari wird sich wohl wie Joachim Löw für die Erfahrung entscheiden und erneut Ricardo spielen lassen.
Der Star:
Es kann nur einen geben - diesem Gedanken hing man vor großen Turnieren schon öfter nach und wurde am Ende bitter enttäuscht. Vor der WM 2006 hätten viele Experten auf Ronaldinho als den Superstar getippt, der Brasilianer machte wie seine ganze Mannschaft schlapp und konnte dem Turnier nicht den gewünschten Stempel aufdrücken.
In diesem Jahr wird Cristiano Ronaldo als der Superstar gehandelt. Völlig zurecht, wenn man sich seine statistischen Werte dieser Saison mal anschaut. In 34 Spielen in der Premier League für Manchester United erzielte Ronaldo unglaubliche 31 Treffer, damit übertraf er sogar die United-Legende George Best als erfolgreichsten Flügelstürmer der Red Devils.
Denn das muss man sich bei dieser Traumquote immer vor Augen führen, Ronaldo spielt nicht den klassischen Stürmer im Zentrum. Er kommt über Außen, dribbelt an der Linie seine Gegenspieler aus, soll deshalb auch viele gefährliche Szenen kreieren und galt bis zu dieser Spielzeit nicht als der klassische Torjäger.
Doch Ronaldo hat sein Spiel insgesamt etwas umgestellt. Hatte er früher den Hang dazu, die Verteidiger der gegnerischen Mannschaft zu demütigen, so hat er mittlerweile meistens das richtige Maß gefunden. Der 23-Jährige bietet immer noch viel Show, aber er hat die Grenzen erkannt und viel mehr Effektivität in sein Spiel gelegt.
Außerdem haftete Ronaldo lange der Makel an, in entscheidenden Partien nicht präsent zu sein und unterzutauchen. Das kann man nach der vergangenen Saison nicht mehr so stehen lassen. Im Finale der Champions League erzielte Ronaldo den Führungstreffer, in den Runden zuvor traf er ebenso in eminent wichtigen Spielen (Achtelfinal-Rückspiel gegen Lyon, Viertelfinal-Hinspiel gegen AS Rom) und in der Premier League war er im Saisonfinale sehr treffsicher.
Das Finale gegen den FC Chelsea hat aber auch gezeigt, dass er seine Schwäche noch nicht ganz abgelegt hat. Die legere Art im Elfmeterschießen hätte ManU den Titel kosten können, wenn John Terry nicht in David Beckhams Fußstapfen ausgerutscht wäre.
Die Nummer sieben der Portugiesen muss zudem mit einem weiteren Handicap leben, die Spielzeit in England und auf internationalem Parkett war anstrengend und er muss es erstmal schaffen, seine gute Form über die nächsten Wochen zu retten. Wenn das gelingt und Ronaldo mit dem Druck des möglichen Stars der EM klar kommt, dann könnten es die Spiele des Cristiano Ronaldo werden.
Der Geheimtipp:
Schreibt man über Nani, so sind die Parallelen zu Cristiano Ronaldo unverkennbar. Beide wurden auf einer Insel geboren (Nani auf Kap Verde, Ronaldo auf Madeira), begannen ihre Karriere bei Sporting Lissabon, wechselten danach auf die nächste Insel zu Manchester United und sind dribbelstarke Flügelspieler.
Obwohl Ronaldo nur eineinhalb Jahre älter ist als Nani, hören bei der Erfolgsgeschichte die Gemeinsamkeiten auf. Ronaldo spielt bereits seit fünf Jahren bei ManU, hat in 163 Spielen 66 Tore erzielt und gilt als Anwärter auf den Titel Europas Fußballer des Jahres.
Bei Nani ging die Entwicklung nicht ganz so rasant vorwärts. Luis Carlos Almeida da Cunha, wie sein vollständiger Name heißt, konnte sich bei den Red Devils gegen die starke Konkurrenz noch nicht richtig durchsetzen, immerhin kam er auf 26 Einsätze - meist als Joker - in der Premier League und im Finale der Champions League zeigte er als Torschütze im Elfmeterschießen, dass er trotz seines jungen Alters bereits zu den Abgezockten gehört.
Auch bei der EM wird Nani noch nicht zur Stammelf gehören, aber Scolari sieht seinen Jungstar als wirkungsvolle Waffe für Spiele, die möglicherweise gedreht werden müssen. Der Odonkor der Portugiesen, auch wenn sich der junge Deutsche bei diesem Vergleich geschmeichelt fühlen müsste.
Auf lange Sicht soll Nani aber gemeinsam mit Ronaldo die Flügelzange der Zukunft werden. Paulo Sousa, Champions-League-Sieger mit Borussia Dortmund ist davon jedenfalls überzeugt: "Nani ist ein sehr explosiver und starker Spieler. Er ist sehr schnell und eine großartiger Verstärkung für Manchester United. Ich glaube, dass er gemeinsam mit Christiano Ronaldo in den nächsten 5 bis 10 Jahren das beste Mittelfeld-Duo der Welt werden kann."
Diese Spieler fehlen:
Auch wenn mit Ronaldo einer der möglichen Topstars der EM in Reihen der Portugiesen spielt, so hat der Kader doch ein entscheidendes Manko: Es fehlt der richtige Leader. Spielmacher Deco ist kein Anführer, Ricardo Carvalho hat in der Abwehr zuviel mit sich selbst zu tun, Ronaldo ist noch zu jung und auch in der Sturmmitte bietet sich keiner an, der die Mannschaft in brenzligen Situationen führen kann.
Wenn Trainer Scolari diese Zeilen lesen würde, so würde er sicher entgegnen, dass er auf einen solchen Star oder Leader bewusst verzichtet hat, um das Kollektiv und den Mannschaftsgeist zu fördern.
"Die Zeit ist gekommen, dass wir uns dem Teamgeist widmen", erklärte Scolari seine Ideen bei der Kaderzusammenstellung, "Wen wir es nicht schaffen, eine Mannschaft zu sein, dann gewinnen wir nichts." Deshalb verzichtet Scolari auch auf Maniche von Inter Mailand, allerdings durfte der Mittelfeldspieler in der Rückrunde nur ganze acht Mal für den italienischen Meister auflaufen und spielte dabei nie über die volle Distanz - der Verzicht macht deshalb total Sinn.
Bei den fehlenden Leadern kommen einem dann aber zwei Namen in den Sinn, die theoretisch noch in der Nationalelf spielen könnten, aber bereits zurückgetreten sind. Luis Figo und Rui Costa sind die Vertreter der goldenen Generation in Portugal, die sich selbst allerdings nie mit einem Titel belohnen konnte.
Figo spielt mittlerweile bei Inter Mailand auch nur noch eine untergeordnete Rolle und Costa lässt seine Karriere bei Benfica Lissabon ausklingen - deshalb fehlen die beiden von der Leistung her nicht. Aber die Altstars des portugiesischen Fußballs verkörperten von jeher diese Führungsqualitäten, die dem Team bei diesem Turnier fehlen könnte.
Zwischendurch wurden in Portugal sogar die Stimmen lauter, die ein Comeback von Figo von Costa forderten. Doch Scolari hatte auch hier eine ganz klar Meinung: "Sie haben viel für die portugiesische Nationalmannschaft getan und werden auf die eine oder andere Art immer bei uns sein", sagte der Trainer. "Aber sie werden nicht spielen, da sie sich bereits für den Rücktritt entschieden haben."
Der Trainer:
Der viel zitierte Scolari ist ein absoluter Erfolgstrainer, der sich durch nichts von seiner Linie abbringen lässt und bei der Auswahl seiner Spieler nicht auf Namen setzt. Vor der WM 2002 mit Brasilien bootete er Superstar Romario aus und wurde am Ende mit dem Weltmeistertitel belohnt.
Bevor er die Selecao zur fünften Weltmeisterschaft führen konnte, feierte Scolari auch im Vereinsfußball einige beachtliche Erfolge. So gewann er mit Gremio Porto Alegre 1995 die Copa Libertadores.
In Portugal heuerte Scolari Anfang 2003, erreichte auf Anhieb das EM-Finale, stand bei der WM 2006 im Halbfinale und verlor dort das Spiel um Platz drei gegen Deutschland. Mit diesen Erfolgen im Rücken ist der Brasilianer mittlerweile zum dienstältesten Trainer in Portugals Historie aufgestiegen.
Scolari bevorzugt mit seiner Mannschaft das offensive 4-3-3-System, überlegt allerdings für das Kontinentalturnier einige Varianten einstudieren zu lassen. So überlegt Scolari in der Abwehr auch mal auf Dreierkette umzustellen, um im Mittelfeld einen Mann mehr zu haben und somit Spielmacher zu entlasten. Auch ein 4-4-2 ist denkbar, dann soll Ronaldo allerdings aus dem Mittelfeld kommen und müsste somit mehr Defensivaufgaben übernehmen.
EM-Historie:
Vier Mal konnte sich die portugiesische Auswahl bisher für die EM-Endrunde qualifizieren, in Österreich und der Schweiz wird zum fünften Mal versucht, den Titel auf die iberische Halbinsel zu holen. Erstmals dabei waren die Portugiesen 1984 beim Turnier in Frankreich und kamen hätten sogar fast das Finale erreicht.
Gegen stürmische Franzosen verlegte sich der Außenseiter auf Konter und wurde durch eine großartige Leistung des mittlerweile verstorbenen Keepers Manuel Bento im spiel gehalten. Rui Jordao brachte Portugal in der Verlängerung nach einem 1:1 in der regulären Spielzeit sogar in Führung, doch Michael Platini hatte bei seiner Heim-EM etwas dagegen und führte Frankreich ins Halbfinale.
Nach einer Viertelfinalteilnahme 1996 (0:1 gegen Tschechien) und dem dramatischen Halbfinal-Aus 2000 (1:2 nach Golden Goal gegen Frankreich) sollte beim Heim-Turnier 2004 endlich der erste große Titel her. Doch dann kam ein gewisser Herr Rehhagel mit seinen Griechen daher und schnappte den Portugiesen in Person von Angelos Charisteas mit dem 1:0-Siegtreffer im Finale den großen Coup vor der Nase weg.
Prognose:
Portugal ist der klare Favorit in der Gruppe A. Gegen die Schweiz, Tschechien und die Türkei wird sich die Scolari-Elf durchsetzen und unangefochten in das Viertelfinale einziehen. Dazu haben die Portugiesen wie Deutschland das Glück, erst im Finale auf die mitfavorisierten Knaller aus der Todesgruppe C stoßen zu können.
Im Umkehrschluss bedeutet dies aber auch, dass spätestens im Halbfinale das deutsche Team warten könnte. Doch völlig unabhängig von der Konstellation wird es für Portugal wieder nicht für den Titel reichen. Das offensive Potential ist enorm, aber die defensiven Probleme sind hausgemacht und somit ist im Halbfinale Schluss.
Gold ist Silber, Ronaldo ist Gold
Die goldene Generation ist abgetreten, mit Cristiano Ronaldo in Bestform soll es für Portugal aber noch erfolgreicher werden. Im Euro-Check macht sportal.de deutlich, dass die Portugiesen zu den Mitfavoriten zu zählen sind, für den ganz großen Wurf wird es aber wieder nicht reichen.
Stärken/Schwächen:
In der Offensive hat Trainer Luiz Felipe Scolari wenig Sorgen. Deco vom FC Barcelona soll die Angriffe initiieren, mit Cristiano Ronaldo, Ricardo Quaresma, Nani, Simao oder auch Helder Postiga hat der Coach in seinem bevorzugten 4-3-3 viele Optionen für die Position der Außenstürmer.
Insgesamt könnte der Erfolg aber zu sehr von Ronaldo abhängen. Der frisch gebackene Champions-League-Sieger ist derzeit der einzige richtige Torjäger. Bei den Stoßstürmern hakt es dagegen, Nuno Gomes ist in die Jahre gekommen und hat seine Torjägerqualitäten verloren, Hugo Almeida von Werder Bremen hat auf der internationalen Bühne auch noch nicht beweisen können, dass er ein klassischer Knipser ist.
Deshalb könnte Scolari auf zwei Spieler setzen, die noch nicht den großen Bekanntheitsgrad haben. Jorge Ribeiro (Boavisto Porto) hat erst acht Länderspiele auf dem Buckel, könnte aber auf der linken Seite beginnen. José Bosingwa ist ähnlich unerfahren, wechselt in der kommenden Saison aber zum FC Chelsea.
Und dann bleibt da noch das kleine Fragezeichen zwischen den Pfosten. Der eigentliche Stammkeeper Ricardo hat bei Betis Sevilla eine schwierige Saison hinter sich, in der der Abstieg nur knapp vermieden werden konnte. Ersatzmann Quim zeigte bei Benfica Lissabon dagegen stets konstante Leistungen und drängt ins Tor. Doch Scolari wird sich wohl wie Joachim Löw für die Erfahrung entscheiden und erneut Ricardo spielen lassen.
Der Star:
Es kann nur einen geben - diesem Gedanken hing man vor großen Turnieren schon öfter nach und wurde am Ende bitter enttäuscht. Vor der WM 2006 hätten viele Experten auf Ronaldinho als den Superstar getippt, der Brasilianer machte wie seine ganze Mannschaft schlapp und konnte dem Turnier nicht den gewünschten Stempel aufdrücken.
In diesem Jahr wird Cristiano Ronaldo als der Superstar gehandelt. Völlig zurecht, wenn man sich seine statistischen Werte dieser Saison mal anschaut. In 34 Spielen in der Premier League für Manchester United erzielte Ronaldo unglaubliche 31 Treffer, damit übertraf er sogar die United-Legende George Best als erfolgreichsten Flügelstürmer der Red Devils.
Denn das muss man sich bei dieser Traumquote immer vor Augen führen, Ronaldo spielt nicht den klassischen Stürmer im Zentrum. Er kommt über Außen, dribbelt an der Linie seine Gegenspieler aus, soll deshalb auch viele gefährliche Szenen kreieren und galt bis zu dieser Spielzeit nicht als der klassische Torjäger.
Doch Ronaldo hat sein Spiel insgesamt etwas umgestellt. Hatte er früher den Hang dazu, die Verteidiger der gegnerischen Mannschaft zu demütigen, so hat er mittlerweile meistens das richtige Maß gefunden. Der 23-Jährige bietet immer noch viel Show, aber er hat die Grenzen erkannt und viel mehr Effektivität in sein Spiel gelegt.
Außerdem haftete Ronaldo lange der Makel an, in entscheidenden Partien nicht präsent zu sein und unterzutauchen. Das kann man nach der vergangenen Saison nicht mehr so stehen lassen. Im Finale der Champions League erzielte Ronaldo den Führungstreffer, in den Runden zuvor traf er ebenso in eminent wichtigen Spielen (Achtelfinal-Rückspiel gegen Lyon, Viertelfinal-Hinspiel gegen AS Rom) und in der Premier League war er im Saisonfinale sehr treffsicher.
Das Finale gegen den FC Chelsea hat aber auch gezeigt, dass er seine Schwäche noch nicht ganz abgelegt hat. Die legere Art im Elfmeterschießen hätte ManU den Titel kosten können, wenn John Terry nicht in David Beckhams Fußstapfen ausgerutscht wäre.
Die Nummer sieben der Portugiesen muss zudem mit einem weiteren Handicap leben, die Spielzeit in England und auf internationalem Parkett war anstrengend und er muss es erstmal schaffen, seine gute Form über die nächsten Wochen zu retten. Wenn das gelingt und Ronaldo mit dem Druck des möglichen Stars der EM klar kommt, dann könnten es die Spiele des Cristiano Ronaldo werden.
Der Geheimtipp:
Schreibt man über Nani, so sind die Parallelen zu Cristiano Ronaldo unverkennbar. Beide wurden auf einer Insel geboren (Nani auf Kap Verde, Ronaldo auf Madeira), begannen ihre Karriere bei Sporting Lissabon, wechselten danach auf die nächste Insel zu Manchester United und sind dribbelstarke Flügelspieler.
Obwohl Ronaldo nur eineinhalb Jahre älter ist als Nani, hören bei der Erfolgsgeschichte die Gemeinsamkeiten auf. Ronaldo spielt bereits seit fünf Jahren bei ManU, hat in 163 Spielen 66 Tore erzielt und gilt als Anwärter auf den Titel Europas Fußballer des Jahres.
Bei Nani ging die Entwicklung nicht ganz so rasant vorwärts. Luis Carlos Almeida da Cunha, wie sein vollständiger Name heißt, konnte sich bei den Red Devils gegen die starke Konkurrenz noch nicht richtig durchsetzen, immerhin kam er auf 26 Einsätze - meist als Joker - in der Premier League und im Finale der Champions League zeigte er als Torschütze im Elfmeterschießen, dass er trotz seines jungen Alters bereits zu den Abgezockten gehört.
Auch bei der EM wird Nani noch nicht zur Stammelf gehören, aber Scolari sieht seinen Jungstar als wirkungsvolle Waffe für Spiele, die möglicherweise gedreht werden müssen. Der Odonkor der Portugiesen, auch wenn sich der junge Deutsche bei diesem Vergleich geschmeichelt fühlen müsste.
Auf lange Sicht soll Nani aber gemeinsam mit Ronaldo die Flügelzange der Zukunft werden. Paulo Sousa, Champions-League-Sieger mit Borussia Dortmund ist davon jedenfalls überzeugt: "Nani ist ein sehr explosiver und starker Spieler. Er ist sehr schnell und eine großartiger Verstärkung für Manchester United. Ich glaube, dass er gemeinsam mit Christiano Ronaldo in den nächsten 5 bis 10 Jahren das beste Mittelfeld-Duo der Welt werden kann."
Diese Spieler fehlen:
Auch wenn mit Ronaldo einer der möglichen Topstars der EM in Reihen der Portugiesen spielt, so hat der Kader doch ein entscheidendes Manko: Es fehlt der richtige Leader. Spielmacher Deco ist kein Anführer, Ricardo Carvalho hat in der Abwehr zuviel mit sich selbst zu tun, Ronaldo ist noch zu jung und auch in der Sturmmitte bietet sich keiner an, der die Mannschaft in brenzligen Situationen führen kann.
Wenn Trainer Scolari diese Zeilen lesen würde, so würde er sicher entgegnen, dass er auf einen solchen Star oder Leader bewusst verzichtet hat, um das Kollektiv und den Mannschaftsgeist zu fördern.
"Die Zeit ist gekommen, dass wir uns dem Teamgeist widmen", erklärte Scolari seine Ideen bei der Kaderzusammenstellung, "Wen wir es nicht schaffen, eine Mannschaft zu sein, dann gewinnen wir nichts." Deshalb verzichtet Scolari auch auf Maniche von Inter Mailand, allerdings durfte der Mittelfeldspieler in der Rückrunde nur ganze acht Mal für den italienischen Meister auflaufen und spielte dabei nie über die volle Distanz - der Verzicht macht deshalb total Sinn.
Bei den fehlenden Leadern kommen einem dann aber zwei Namen in den Sinn, die theoretisch noch in der Nationalelf spielen könnten, aber bereits zurückgetreten sind. Luis Figo und Rui Costa sind die Vertreter der goldenen Generation in Portugal, die sich selbst allerdings nie mit einem Titel belohnen konnte.
Figo spielt mittlerweile bei Inter Mailand auch nur noch eine untergeordnete Rolle und Costa lässt seine Karriere bei Benfica Lissabon ausklingen - deshalb fehlen die beiden von der Leistung her nicht. Aber die Altstars des portugiesischen Fußballs verkörperten von jeher diese Führungsqualitäten, die dem Team bei diesem Turnier fehlen könnte.
Zwischendurch wurden in Portugal sogar die Stimmen lauter, die ein Comeback von Figo von Costa forderten. Doch Scolari hatte auch hier eine ganz klar Meinung: "Sie haben viel für die portugiesische Nationalmannschaft getan und werden auf die eine oder andere Art immer bei uns sein", sagte der Trainer. "Aber sie werden nicht spielen, da sie sich bereits für den Rücktritt entschieden haben."
Der Trainer:
Der viel zitierte Scolari ist ein absoluter Erfolgstrainer, der sich durch nichts von seiner Linie abbringen lässt und bei der Auswahl seiner Spieler nicht auf Namen setzt. Vor der WM 2002 mit Brasilien bootete er Superstar Romario aus und wurde am Ende mit dem Weltmeistertitel belohnt.
Bevor er die Selecao zur fünften Weltmeisterschaft führen konnte, feierte Scolari auch im Vereinsfußball einige beachtliche Erfolge. So gewann er mit Gremio Porto Alegre 1995 die Copa Libertadores.
In Portugal heuerte Scolari Anfang 2003, erreichte auf Anhieb das EM-Finale, stand bei der WM 2006 im Halbfinale und verlor dort das Spiel um Platz drei gegen Deutschland. Mit diesen Erfolgen im Rücken ist der Brasilianer mittlerweile zum dienstältesten Trainer in Portugals Historie aufgestiegen.
Scolari bevorzugt mit seiner Mannschaft das offensive 4-3-3-System, überlegt allerdings für das Kontinentalturnier einige Varianten einstudieren zu lassen. So überlegt Scolari in der Abwehr auch mal auf Dreierkette umzustellen, um im Mittelfeld einen Mann mehr zu haben und somit Spielmacher zu entlasten. Auch ein 4-4-2 ist denkbar, dann soll Ronaldo allerdings aus dem Mittelfeld kommen und müsste somit mehr Defensivaufgaben übernehmen.
EM-Historie:
Vier Mal konnte sich die portugiesische Auswahl bisher für die EM-Endrunde qualifizieren, in Österreich und der Schweiz wird zum fünften Mal versucht, den Titel auf die iberische Halbinsel zu holen. Erstmals dabei waren die Portugiesen 1984 beim Turnier in Frankreich und kamen hätten sogar fast das Finale erreicht.
Gegen stürmische Franzosen verlegte sich der Außenseiter auf Konter und wurde durch eine großartige Leistung des mittlerweile verstorbenen Keepers Manuel Bento im spiel gehalten. Rui Jordao brachte Portugal in der Verlängerung nach einem 1:1 in der regulären Spielzeit sogar in Führung, doch Michael Platini hatte bei seiner Heim-EM etwas dagegen und führte Frankreich ins Halbfinale.
Nach einer Viertelfinalteilnahme 1996 (0:1 gegen Tschechien) und dem dramatischen Halbfinal-Aus 2000 (1:2 nach Golden Goal gegen Frankreich) sollte beim Heim-Turnier 2004 endlich der erste große Titel her. Doch dann kam ein gewisser Herr Rehhagel mit seinen Griechen daher und schnappte den Portugiesen in Person von Angelos Charisteas mit dem 1:0-Siegtreffer im Finale den großen Coup vor der Nase weg.
Prognose:
Portugal ist der klare Favorit in der Gruppe A. Gegen die Schweiz, Tschechien und die Türkei wird sich die Scolari-Elf durchsetzen und unangefochten in das Viertelfinale einziehen. Dazu haben die Portugiesen wie Deutschland das Glück, erst im Finale auf die mitfavorisierten Knaller aus der Todesgruppe C stoßen zu können.
Im Umkehrschluss bedeutet dies aber auch, dass spätestens im Halbfinale das deutsche Team warten könnte. Doch völlig unabhängig von der Konstellation wird es für Portugal wieder nicht für den Titel reichen. Das offensive Potential ist enorm, aber die defensiven Probleme sind hausgemacht und somit ist im Halbfinale Schluss.




