Ende der Big Four?
Am Samstag um 13:45 Uhr ist es endlich so weit, die Premier League öffnet wieder ihre Tore. Trotz Finanzkrise hat sie den Status als beste Liga der Welt erhalten, auch in der abgelaufenen Saison standen wieder drei englische Mannschaften im Halbfinale der Champions League. Trotz der Abgänge von Stars wie Xabi Alonso (Liverpool zu Real Madrid) und Cristiano Ronaldo (Manchester United zu Real Madrid) hat die Premier League seinen Reiz mit Sicherheit nicht verloren. De fakto, könnte es an der Spitze sogar die spannendste Saison seit Jahren werden. Die Big Four aus ManU, Liverpool, Chelsea und Arsenal droht erstmals seit Jahren zersprengt zu werden.
Manchester City hat sich alleine im Sturm mit Carlos Tevez, Emmanuel Adebayor und Roque Santa Cruz verstärkt, mit dem Brasilianer Robinho hat man einen weiteren Hochkaräter für wahrscheinlich zwei Plätze im Angriff zur Verfügung. Die Millionen der Abu Dhabi Familie sorgen dafür, dass City der reichste Verein der Welt ist. Wenn Trainer Mark Hughes daraus eine Mannschaft formen kann, wird City sich hinter Chelsea und ManU einreihen können, die Qualität dafür ist da – auch im Mittelfeld wurde sich verstärkt, ein Verteidiger (Joleon Lescott?) soll noch kommen.
Sollte die Mannschaft funktionieren, wären die leidtragenden wohl der FC Liverpool und Arsenal London. Liverpool spielte letzte Saison eine überragende Spielzeit und holte so viele Punkte, wie noch nie eine Mannschaft, die am Ende nicht Meister wurde. Allerdings verlor man in Alonso einen Eckpfeiler des Erfolges. Ob Alberto Aquilani der erhoffte Ersatz ist, darf bezweifelt werden, vor allem wenn man die Verletztenakte des Italieners sieht. Ansonsten verstärkte man sich auf der Außenverteidigerposition mit Glen Johnson. Im Sturm, wo man neben Fernando Torres unbedingt Backup-Bedarf hätte, blieb man aber untätig. Großes Plus für die Reds ist allerdings die immense Motivation für den Titel (neben dem erstklassigen Trainer Rafa Benitez). Seit 1990 wartet die fußballverrückte Region auf den Titel, Liverpool ist wohl der einzige PL-Verein, der lieber Meister als Champions-League-Sieger werden wollen würde.
Arsenal London hat derweil Kolo Toure und Emannuel Adebayor verloren, keinen adäquaten Ersatz und muss sich deshalb wohl aus der Top 4 verabschieden. Zwar haben die Gunners schon oft Kritiker eines Besseren belehrt, dieses Jahr könnte das aber wohl nur aufgrund einer Schwäche der Konkurrenz passieren. In Lauerstellung sind neben City außerdem Aston Villa, Tottenham Hotspurs und der FC Everton. Für sie wird es aber wohl der Kampf um die Europa League bleiben, alles andere wäre eine faustdicke Überraschung.
Wer aber wird nun Meister? Chelsea und ManU sind fast auf Augenhöhe. Manchester, zuletzt dreimal in Folge Meister, die letzten zwei Jahre im Endspiel der Champions League, muss trotz der Abgänge Tevez und Ronaldo zu den Favoriten zählen, doch Chelsea zeigte schon unter Guus Hiddink, wie stark es sein kann. Doch so groß die Motivation der Blues, die Meisterschaft zu gewinnen, auch sein mag, viel höher bleibt die, die Champions League zu gewinnen. Und auch United will nach dem verlorenen Finale gegen Barcelona wieder international zurückschlagen. Und wenn sich zwei streiten, freut sich manchmal ja der Dritte. Also City, oder doch Liverpool? Es wird spannend, am Samstag…
Felix Wagner ist Journalist und schreibt für Betfair.
